Wie das Atlas Mountain Race Wirklichkeit wurde: So plant man (für) ein Ultralangstrecken-Radrennen

Wir sprechen mit dem Organisator des Rennens, Nelson Trees, mit Jenny Tough, die am Rennen teilnimmt, und mit Betty Achrainer, der Event-Partnership-Managerin von komoot, über die Entwicklung eines Ultralangstrecken-Radrennens von der Idee zur Realität.

Das Atlas Mountain Race folgt einer spektakulären Route von Marrakesch nach Agadir: 1150 Kilometer auf hauptsächlich unbefestigten Wegen mit Anstiegen von insgesamt 20.000 Höhenmetern. Diese Strecke, die über teilweise vergessene Schotterstraßen, oder „Pisten“, aus der französischen Kolonialzeit führt, und die einzigartige Lage im marokkanischen Atlasgebirge, machen das Besondere dieses Rennens aus.

Wenn sich die Fahrerinnen und Fahrer am Samstag, dem 15. Februar an der Startlinie aufstellen, wird sich schnell zeigen, wie gut Ihre Vorbereitungen und Planungen waren. Aber was braucht es eigentlich an Planung und Vorbereitung, damit eine Veranstaltung wie diese Wirklichkeit wird?

Der Rennorganisator, Nelson Trees

Nelson ist der Kopf hinter dem Silk Road Mountain Race in Kirgisistan und jetzt auch hinter dem Atlas Mountain Race. Die Idee für das Rennen entstand bei einer Unterhaltung mit ein paar SRMR-Finishern und ließ ihn danach einfach nicht mehr los.

Die Geburt eines neuen Ultralangstreckenrennens

„Ich kam mit zwei Leuten ins Gespräch, denen die Teilnahme am Silk Road Mountain Race richtig Spaß gemacht hatte und sie bestanden förmlich darauf, dass ich so ein Rennen auch in Marokko organisieren sollte. Sie schickten mir dann Broschüren und Reiseführer für Offroad-Geländewagentouren zur Inspiration. Nach ein wenig Recherche musste ich ihnen zustimmen, dass dies ein toller Schauplatz für ein Rennen wäre. Sie fahren übrigens die erste Ausgabe des AMR mit. Nicht, dass sie eine Wahl gehabt hätten, schließlich stammte die Idee ja von ihnen.“

„Wir überlassen nichts dem Zufall, alles basiert auf GPS-Aufzeichnungen vor Ort.“

Sich für einen Austragungsort zu entscheiden, ist das eine, aber dort ein Rennen wie das Atlas Mountain Race zu organisieren? Wie macht man das? Für Nelson beginnt alles mit der Route: „Wir haben eine Menge Zeit damit verbracht, alte vergessene Schotterstraßen, oder ‚Pisten‘, aus der Kolonialzeit zu recherchieren und auch einige, die erst in jüngerer Zeit gebaut worden sind. Dann erkundeten wir auf mehreren Reisen die ganze Route. Wir überlassen nichts dem Zufall, alles basiert auf GPS-Aufzeichnungen vor Ort. Nachdem wir einige Zeit dort verbracht hatten, überarbeiteten wir auch unsere ursprünglichen Planungen und ersetzten einige vorher geplante Abschnitte durch echte „Strecken-Fundstücke°, die wir erst vor Ort entdeckt hatten. Tatsächlich haben wir den ganzen Abschnitt, der zum Checkpoint 2 führt, gefunden, als wir eigentlich ganz woanders hin wollten.“

Die Checkliste für eine erfolgreiche und sichere Veranstaltung

Danach geht es um alles,was nötig ist, um das Rennen erfolgreich durchzuführen: „Müssen wir Genehmigungen einholen? Was brauchen wir für die Notfallversorgung? Können wir uns auf die örtlichen Notdienste verlassen? Mit welcher Logistik könnte man das Leben der Fahrerinnen und Fahrer ein wenig einfacher machen? Ein kleiner Beutel mit den persönlichen Dingen und Kleidung zum Wechseln ist ein großes Plus. Das Wichtigste ist aber, die richtigen Leute bei der Sache dabei zu haben. Ich habe das Glück, Leute in meinem Umfeld zu haben, die mir viel helfen, sei es meine Familie oder Partner wie PedalED und komoot, die weit mehr tun als nur einen Scheck zu schreiben oder ein paar Bilder zu posten.“

Letztendlich möchte Nelson allen, die mitfahren, ein Erlebnis ermöglichen, an das sie sich noch lange erinnern werden. Ein Erlebnis, das ihnen Fähigkeiten und Selbstvertrauen verleiht, die sie auch im Leben jenseits des Radsports anwenden können.

Das „Warum?“

Nelson gesteht, dass sein Interesse vor allem dem Mittelfeld gilt. Denen, die über ihre bisherigen Grenzen hinausgehen, die etwas tun, was sie noch nie vorher getan haben. Sei es, in einem Straßengraben zu biwakieren, den schwersten oder den großartigsten Tag bisher auf dem Rad zu erleben oder auch nur, sich eine ganze Woche lang nicht zu waschen.

Für die meisten ist die Tatsache, dass das Rennen so hart ist, überhaupt erst der Grund, dabei zu sein, sagt er, und das Durchhalten bis zu Ende, das bleibt ihnen. Was macht also, in den Augen von Nelson Tree, das erste Atlas Mountain Race zu einem Erfolg? Für ihn sind es die Kommentare der Fahrerinnen und Fahrer, wenn sie staubig, verschwitzt und erschöpft über die Ziellinie fahren: „Ich bin zufrieden, wenn sie so etwas sagen wie ‚Verdammt, war das hart, danke.’“

Die Rennteilnehmerin, Jenny Tough

Jenny Tough ist Ultralangstreckenläuferin und -radfahrerin mit einer Menge Erfahrung. Sie ist das Transcontinental Race und das Silk Road Mountain Race gefahren und ohne Unterstützung von West nach Ost über das Atlasgebirge gelaufen. Was hat sie am Atlas Mountain Race gereizt?

„Um ehrlich zu sein, wollte ich eigentlich nur irgendwo, wo es richtig schön ist, mit ein paar coolen Leuten Rad fahren. Die Ultra-Bikepacking-Szene ist eine ziemlich nischige Truppe und bei den Veranstaltungen, an denen ich bisher teilgenommen habe, habe ich einige wunderbare Freunde kennengelernt.“ 

Training … oder nicht?

Was die Vorbereitung für das Rennen angeht, kann man davon ausgehen, dass sie durch ihre jahrelangen Solo-Abenteuer gut für den Start beim Atlas Mountain Race 2020 vorbereitet ist: „Ich bin ziemlich routiniert beim Packen des Fahrrads, das hab ich ja mittlerweile schon ein paar Mal gemacht. Ich hab eine alte Checkliste fürs Biwakieren und Bikepacking. Die hol ich immer raus, um sicherzugehen, dass ich alles habe. Und wenn ich Zeit habe, pack ich zum Test alles noch aufs Rad, bevor ich fliege, um sicher zu sein, dass auch alles passt.“

Planen für das Unbekannte

Trotz ihrer Erfahrung aus vielen Ultra-Bikepacking-Events und obwohl sie ihre Ausrüstung perfekt im Griff hat, bietet das Atlas Mountain Race doch noch genug Unbekanntes. „Ich weiß wirklich nicht, was ich vom AMR erwarten soll. Eine Sache, die mich belastet, ist, dass es in Marokko immer noch viele Ecken gibt, in denen es als Solo-Frau ziemlich schwierig ist. Und ich bin etwas beunruhigt darüber, wie das in einem Rennen sein wird, bei dem ich unweigerlich spät in der Nacht fahren und Zelten werde. Bei meinem Solo-Lauf vor zwei Jahren hatte ich einige Probleme und ich weiß nicht, wie es im Rennen laufen wird (immerhin sind dieses Mal fast 200 andere Radfahrerinnen und Radfahrer mit unterwegs).

„Mein Ansatz wird sein, gute Entscheidungen zu treffen und in Bewegung zu bleiben.“

Auch wenn Ihre Erfahrungen aus anderen Rad- und Laufveranstaltungen sie nicht auf alles vorbereiten können, so weiß sie doch, worauf es ankommt. Und dabei zählt für Jenny nicht das Gewinnen:

„Ich will einfach nur einen sauberen Lauf durchziehen und vor dem Cutoff nach Agadir kommen. Mein Ansatz wird sein, gute Entscheidungen zu treffen und in Bewegung zu bleiben. Das Rad gut pflegen, auf meinen Körper hören, positiv bleiben. Ich bin nicht hier, um zu gewinnen, sondern um die beste Tour zu fahren, zu der ich fähig bin. Und anzukommen, das ist mir wichtig.“

Das komoot Produkt-Team, Betty Achrainer und Rob Hermans

Komoot ist der offizielle Partner für Routenplanung und Navigation für das Atlas Mountain Race 2020. Wie arbeiten wir mit Nelson Trees zusammen, um die Route bei komoot auf den aktuellen Stand zu bringen?

Betty erzählt, wie sie bei der Routenplanung vorgegangen sind: „Das Wichtigste ist, die Route bei komoot absolut exakt zu planen, jeden Meter zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie genau den Straßen und Wegen folgt, die Nelson im Sinn hatte. Einige Straßen fehlten auf der Komoot-Karte und auch die Wegtypen und -beschaffenheiten waren an einigen Stellen nicht richtig dargestellt. Wir haben diese dann direkt in OpenStreetMaps, unserer Kartenquelle, aktualisiert.

Für Nelson – wie für alle Rennleiter – steht die Sicherheit der Teilnehmenden im Mittelpunkt.

Damit sich die Route leichter mit den GPS-Geräten synchronisieren lässt, die von den meisten auf der Fahrt verwendet werden, haben wir sie mit dem Mehrtagesplaner von komoot Premium in einzelne Etappen aufgeteilt. Diese sind wiederum Teil einer Collection, mit Routenbeschreibungen und Hinweisen darauf, wo man sich mit Lebensmitteln versorgen kann und wo die Kontrollpunkte liegen.

Wenn die Route fertig und bei komoot hochgeladen ist, schicken wir sie an die Fahrerinnen und Fahrer, damit sie sich mit ihr vertraut machen und sie mit ihren GPS-Geräten abgleichen können. Die Collection dient außerdem als genaue Übersicht über die Route des Rennens: für Freunde und Familie und natürlich auch für andere Abenteuerlustige, die ihr eigenes Bikepacking-Abenteuer durch das Atlasgebirge planen wollen.

Für Nelson – wie für alle Rennleiter – steht die Sicherheit der Teilnehmenden im Mittelpunkt. Betty arbeitet eng mit Nelson zusammen, um sicherzustellen, dass die Streckenführung und die Straßenbedingungen so genau wie möglich dargestellt sind, damit die Teilnehmenden sich nicht darum sorgen müssen, den Weg zu finden, sondern sich mit ihrer ganzen Energie aufs Fahren konzentrieren können. 

Schau dir die offizielle Collection mit allen Etappen bei komoot an. Vielleicht inspiriert sie dich sogar, die Tour selbst zu fahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.