Wanderschuhe und ein Rucksack

In Spanien sagt man „El camino comienza en su casa“ – der Beginn des Jakobswegs ist demnach das eigene Haus. Egal wo es steht. Heute beschränken sich die meisten Pilgerer auf den berühmten Teil der Strecke hinter den Pyrenäen. Aber nicht alle. Beatrice hat sich vorgenommen, es von ihrer Heimat in Lausanne zu versuchen und ist die knapp 2000 Kilometer zu Fuß gegangen. Allein. In 87 Tagen. Hier erzählt sie von ihrer Reise und wie viele Blasen sie an ihren Füßen zählte.

Hallo Beatrice! In drei Worten, wie war’s?
Es war SUPER!

Wie sah ein typischer Tag für dich aus?
Aufstehen, meine Siebensachen in den Rucksack packen, kleines Frühstück einnehmen, Wasserflaschen auffüllen, in komoot meine Tagesstrecke eingeben und los geht’s – bei jedem Wetter. Ich bin am Tag durchschnittlich 23km gewandert. Am Tagesziel angekommen ging es zuerst unter die Dusche, dann Kleider waschen, meine Füsse pflegen, Tagebuch schreiben. Meine Freunde habe ich täglich via Twitter auf dem Laufenden gehalten.

Die wichtigsten Teile deiner Ausrüstung?
Gute Wanderschuhe und der richtige Rucksack! Vor allem darf man nicht zuviel mitnehmen. Man braucht auch gar nicht viel. Mein Rucksack war mit Wasser und allem drum und dran knappe 8kg schwer.

Hast du zwischendrin daran gedacht aufzugeben?
Natürlich! Immer wenn’s steil bergauf ging (lacht). Eine echte Krise hatte ich nach 1000km, zwei Wochen vor Ankunft in Saint-Jean-Pied-de-Port. Es war ein regnerischer Tag, zudem war’s schon Mitte Oktober und ich fragte mich, ob es im Norden Spaniens nicht doch zu kalt sein würde. Aber je näher ich Saint-Jean-Pied-de-Port kam, um so mehr Freude hatte ich am Weitergehen. Während dieser Zeit hat mich auch meine Familie stets motiviert weiterzumachen.

Der allerschönste Ort der Reise?
Ein spezielles Erlebnis war in Lauzerte in Frankreich, als nach einem regnerischen Wandertag die Sonne wieder hervorkam und mich ein Mitpilgerer überredete in der Nacht, einfach so, auf der Strasse ein Ave Maria zu singen – und plötzlich gingen die Fenster auf…

Das schönste Erlebnis?
Die Menschen die ich kennengelernt habe. Die wunderbaren Begegnungen, die guten Gespräche, die lustigen Abende zusammen in den Herbergen, das gemeinsame Kochen. Das einander helfen und aushelfen und geholfen werden. Aber auch die Einsamkeit, das Alleinsein. Die Natur, die Gerüche, die Geräusche… einfach alles.

Wie viele Blasen hattest du insgesamt?
Ich hatte Anfangs zwei, drei Blasen, die wirklich etwas an meiner Moral nagten. Aber da gab’s nur eins: Zähne zusammen beißen und weitergehen. Irgendwann ging’s vorbei und ich konnte ohne Schmerzen weitergehen. In Spanien hatte ich keine einzige Blase.

Während deiner gesamten Reise hast du komoot genutzt. Wofür war das hilfreich?
Während der Pilgerreise habe ich fast täglich die Wanderung geplant. Oft habe ich mit komoot eine bessere Route als den eigentlichen Jakobsweg gefunden. Ich war immer wieder erstaunt, dass ich auch die kleinsten Ortschaften im komoot fand. Zudem zeigte mir komoot das Höhenprofil viel besser an als alle Pilgerführer die ich dabei hatte.

Was machst du, wenn du nicht gerade auf Pilgerschaft bist?
Ich habe mich bewusst frühpensionieren lassen, um genügend Zeit zu haben meine Träume zu verwirklichen. Deshalb habe mein eigenes kleines Künstleratelier eröffnet wo ich selber Male, Skulpturen baue und Skulpturen-Kurse gebe.

Diesen September möchtest du die Via Francigena von Lausanne nach Siena bewandern. Macht Pilgern süchtig?
Ich kenne zur zwei Typen von Pilgern: Diejenigen, die nur einmal und nie wieder pilgern. Und die, welche vom „Pilgervirus“ befallen sind und schon die nächste Pilgerreise planen, bevor sie angekommen sind. Ich gehöre wohl eher zur zweiten Sorte.

Alle Touren von Beatrices Pilgerreise findest du auf ihrem Pofil.
Selbst Lust bekommen auf die nächste Wanderung? Hier entlang.

12 Comments

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  1. Willi Bartholomä sagt:

    Hallo Wanderfreunde,
    ich benutze das Programm Komoot und bin sehr zufrieden.
    Leider habe ich ein Problem beim ausdrucken der jeweiligen Wanderstrecke.
    Kann mir jemand einen Tipp zum ausdrucken geben.
    Danke
    MfG

  2. Oswald sagt:

    hallo kamoot, hallo Beatrice!

    auch ich weiß was gute Wanderschuhe bedeuten! in meinem hohen alter gehe ich immer noch so gerne Wandern und habe sogar jetzt ihre Software mit der ich meine Ruten sehr schön planen kann! Danke dass ihr immer weiter an euch und uns arbeitet! Finde ich toll!

    1. Tobias sagt:

      Vielen Dank!

  3. Caminante sagt:

    Hallo Beatrice, Chapeau, Pilgerchapeau!
    Viele Orte und Strecken konnte ich lebhaft nachvollziehen und Deine berichte riefen liebe Erinnerungen in mir wach. Auch ich bin den Weg gelaufen, allein, und auch von zu Hause aus – allerdings auch wieder zurück, damit die Frage beim ANKOMMEN „Und was jetzt?“ nicht ganz so heftig ausfällt.
    Apropos Wanderschuhe: ich habe vier „verbraucht“!
    Weiterhin gesunde Wanderfüße.

  4. Ralf sagt:

    Ich glaube auch, dass bei so einem Trip, die Wanderschuhe hohe Bedeutung kriegen! Denn schließlich bist du in diesen den ganzen Tag unterwegs und deine Füße sollten es auch möglichst komfortabel haben! Das eine Foto mit dem vielen Laub finde ich toll! Erinnert mich irgendwie an meine Kindheit!

  5. wuzel sagt:

    Hallo Beatrice,
    da kommt Bewunderung auf. Hast du ein Tagebuch geführt? Ich hätte 1000 Fragen, aber reduziert auf das wichtigste.
    Woher wußest Du am Morgern wo Du am Abend schlafen kannst?
    Hattest Du ein Zelt dabei?
    Was sollte man unbedingt dabei haben?
    Wie muß man finanziell ausgestattet sein um den Pilgerweg nach Santiago zu gehen?
    Wenn ich hier von Dir oder jemand anderem Auskunft bekommen würde, wäre das wunderbar.
    Falls sich hier auch noch Mitwanderer einfinden würden, da wäre ich sofort startbereit!
    Für Mitwanderer füge ich meine Mailadresse ein und bitte um Antworten. wuzel@franken-ist-cool.de
    Mein Start könnte hier in Nürnberg oder sonst wo und mein Ziel sollte in Santiago sein.
    Für alle unentschlossenen kann ich nur sagen, nachdem ich das alles gelesen habe, wenn nicht jetzt wann dann.

  6. Zottel sagt:

    Hallo Beatrice! Ich ziehe den Hut vor Dir! Sag mal, mit welchem Handy hast Du die Tour geplant und wie bist Du auf den Tagestouren mit der Akkulaufzeit hingekommen?
    Gruß Zottel

  7. Wilhelm Schwering sagt:

    Herzlichen Glückwunsch! – Hut ab! Eine Leistung, auf die Du zu Recht sehr stolz sein kannst. – Und ein ehrliches Interview!
    Neid? – Nein, aber Bewunderung.

  8. Renate Schmidt sagt:

    Seit Januar 2014 sind wir auch ständig unterwegs. Zwar nur in unserer Region, haben aber bisher 1165 km geschafft. Macht Super Spaß die Touren mit Komoot zu planen.
    Vielleicht machen wir auch mal den Jakobsweg.

  9. Jonas sagt:

    Da bekommt man echt Lust auf Wandern. Tolles „Intervies“ 🙂

  10. The Traveling Toaster sagt:

    2000 km – das ist mal ne Ansage ! Ich habe gerade knapp 300 km von Berlin nach Stralsund zurückgelegt. Aber ist ja nix im Vergleich.

  11. Otmar Rist sagt:

    da kommt Neid und Bewunderung auf. Hast du ein Tagebuch geführt? Steht schon so lange auf unserem Plan aber leider hatten wir bis jetzt den Mumm noch nicht die Tour anzugehen. Habe mindestens 10 Bücher über den Jakobsweg gelesen, aber das war’s dann auch.
    Also unsere Hochachtung hast du.

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