Steve Whiteley – Zurück zum Fahren, zurück zur Freiheit

“Radfahren existiert in vielen Formen und Facetten, das macht diesen Sport so großartig. Er bringt dich an unglaubliche Orte und ermöglicht dir fantastische Momente und Emotionen. Es bietet dir Freiheit, den Raum zum Denken und zum Genießen oder den Konkurrenzkampf mit Gleichgesinnten und vor allem den Kampf gegen dich selber. Radfahren kann gesellig sein, mit einer Ausfahrt begleitet von Kaffee und Kuchen – und du kannst dabei noch die Welt erkunden. Es gibt so viele Gründe auf das Rad zu steigen, und jeder hat seine eigene Art, den Sport zu leben, aber alle kommen wir dabei auf eine einzige Aktion zurück: In die Pedale treten.“

Über die Diversität des Radsports kann Steve eine ganze Menge erzählen und deshalb haben wir ihn zu einem kleinen Interview gebeten. Alles über seine Entwicklung im Radsport und welche Rolle komoot dabei gespielt hat, liest du hier.

Ich habe das Radfahren schon immer geliebt, früh gestartet und viel erlebt, aber eine Verletzung mit nur 23 Jahren hat mich gezwungen, den Radsport jäh zu beenden. Plötzlich war der Sport weg und das Leben, die Familie und die Karriere rückten in den Vordergrund. Fast 20 Jahre später, mit 41 Jahren und einigen Kilogramm mehr auf den Rippen, zog es mich zurück auf das Rad. Aber wow, war ich außer Form. Jetzt bin ich 47 und habe in den letzten sechs Jahren 65.000 Kilometer auf dem Rennrad zurückgelegt. Wie auch ich mich in den letzten 20 Jahren verändert habe, so hat sich auch der Radsport gewandelt. Früher hatte ich ein Rad, ein Paar Radschuhe, ein Jersey, ein Paar Shorts und zwanzigfach geflickte Schläuche. Heute besitze ich drei Räder, 3 Paar Radschuhe, 5 Paar Shorts und Schläuche werden nur noch selten geflickt, meist einfach ausgetauscht.

“Die Technologie rund um das Radfahren hat sich grundlegend verändert, das einzige, was gleich geblieben ist: meine Liebe zum Radfahren. Das Gefühl, durch die eigene Kraft durch die Lande zu rollen, die Anstrengung der Anstiege, der Adrenalinrausch der Abfahrten – es war ein gutes Gefühl “zurück” zu sein. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich überhaupt so lange auf meinen geliebten Sport verzichten konnte.“

Zurück in der Radsportwelt war ich erstmal erstaunt, wie früher unerschwingliche Teile heute für jedermann verfügbar waren. Und wie Smartphones, Navigationsgeräte und Apps nun ein fester Teil des Ganzen geworden sind. Verbindet man diese noch mit einem Pulsmessgerät hat man sein eigenes Trainingslabor immer mit dabei. Alles definiert sich über Leistung – verbunden mit stetigem Feedback auf irgendeinem Screen. Und da ich nunmal eine stark wetteifernde Seite an mir habe, hat mir genau das ermöglicht, gegen meinen größten Konkurrenten anzutreten – mich selber.

Wann immer ich eine persönliche Bestzeit geschafft hatte, riss ich meine Hände in die Höhe, blickte in den Himmel und fuhr über die Straße als wäre ich gerade in ein Tour de France-Etappenziel eingerollt. Es war das ultimative Glücksgefühl für mich. Ich war süchtig und konnte gar nicht genug von Daten und Statistiken und Bestleistungen bekommen. Es war ein digitales High, ein Endorphinrausch höchster Stufe.

Aber wie es bei jedem Hochgefühl ist, so führt es dazu, dass man immer mehr will. Und so entwickelte ich einen überdimensional großen – manche würden sagen problematischen – Drang, ständig meine Leistung zu verbessern. Wie viel Kraft kann ich über welche Distanz und Dauer aufwänden? Mein Gewicht? Watt pro Kilogramm? Für den durchschnittlichen Radfahrer mag das bereits seltsam und übertrieben klingen, aber selbst das lässt sich noch toppen, denn es gibt noch Faktoren wie zum Beispiel das Wetter. Denn warum sollte man einen Bestzeit-Sprint überhaupt ansetzen, wenn man Gegenwind hat? Man kann das Ganze auch auf ein sehr gefährliches Level bringen, denn was könnte ein besserer Zufall sein als wenn in dem Moment, wo man auf eine persönliche Bestzeit zusteuert, ein Bus oder LKW mit 70 Kilometern pro Stunde an einem vorbei fährt und man sich in dessen Windschatten hängen kann – Adrenalin hoch Hundert, Dummheit hoch Tausend. Alles für die Bestzeit.

“Es hat tatsächlich ziemlich lange gedauert, bis mir bewusst wurde, was aus meiner einstigen Liebe zum Radfahren geworden ist. Jeder soll und darf den Radsport so betreiben, wie es für ihn oder sie am besten ist. Aber wenn es dich unglücklich macht, solltest du über eine Veränderung nachdenken. So ist es mir ergangen.“

Etliche Jahre habe ich so auf dem Rad zugebracht, immer exzessiver und immer unzufriedener. Was als Hochgefühl begann, brachte mir plötzlich keine Freude mehr. Ich dachte darüber nach, was ich ursprünglich am meisten am Fahren mochte. Das war nicht der Konkurrenzkampf und Leistungssteigerung. Es war die Freiheit, das Draußen sein, das Entdecken. Im Sturm auf Bestzeiten war das alles in den Hintergrund gerückt. Wenn man immer die gleichen Strecken fährt und versucht, sich dabei immer selber zu überholen, sieht man nicht mehr viel von der Welt. Es gibt kaum Bilder aus der Zeit, denn stehen bleiben, um Fotos zu machen, war keine Option. Meistens hab ich ja nicht mal selber auf die Landschaft geschaut. Zu fokussiert war ich auf die Straße vor mir und meine Leistung.

Es war genug. Ich hatte das Gefühl, meine Beziehung zum Radfahren brauchte einen Neuanfang. Ich fragte mich also, was ich vom Fahren erwarte und wie ich mir den Spaß daran zurückholen konnte. Es musste sich definitiv etwas ändern.

“Früher bin aus der Liebe zum Fahren an sich aufs Rad gestiegen, nicht aus dem reinen Ansporn zur Leistung, also entschied ich mich, wieder einen entspannten Weg einzuschlagen. Weniger Leistung und Statistiken, mehr Freiheit und die Welt erkunden.”

Ich habe angefangen in neue Regionen zu fahren, über mir unbekannte Straßen zu rollen. Da ich in den letzten Jahren immer nur die gleichen Strecken gefahren war, kannte ich mich in meiner Umgebung tatsächlich richtig schlecht aus. Auf der Suche nach einer Navigationslösung fand ich schnell raus, dass mein Wahoo Element Sprachnavigation lieferte, aber dass ich dafür eine zusätzliche App benötigen würde. Und nach einer kurzen Suche kam ich auf komoot.

Nach ein paar Tagen mit der App war ich bereits restlos begeistert und habe auch angefangen meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Jeder sollte die großartigen Straßen in unserer Regionen, die besten Cafés und Ausblicke, Anstiege und Abfahrten für sich entdecken. Nachdem ich einige Highlights erstellt habe, wurde ich zum Experten und Pioneer in verschiedenen Regionen. Ich fand diese Errungenschaften richtig schön, denn für mich bedeutet das, auch bewusst durch die Welt zu fahren und meine Eindrücke mit anderen zu teilen. Das ist definitiv auch eine Motivation für mich – eine gesündere vor allem. Meine neue, bewusste Art des Radfahrens hat mir ein paar der schönsten Ausfahrten meines Lebens gebracht.

Man sieht mich heute immer noch die Hände in Höhe gestreckt und in den Himmel schauend mit breitem Lächeln auf der Straße, aber der Grund dafür ist jetzt ein anderer.

Folge Steve’s Rennrad-Abenteuern auf komoot.

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