So filmst du dein nächstes Abenteuer: Sechs Tipps vom Profi

Hast du dir auf einer Tour schon mal gedacht, „dieser Wanderweg würde ein schönes Video ergeben.“? Oder hast du schon mal den kunstvoll produzierten Mountainbike-Post eines Freundes bewundert und dir gewünscht, deine eigenen Videos hätten auch so viel Pep? Chris Lucas ist Abenteurer und Outdoor-Filmemacher; und er hat einige Tipps für sehenswerte Filme parat. Die wichtigsten Ratschläge hat er hier zusammengefasst, damit du das nächste Mal, wenn du zu einem Abenteuer losziehst, deine Kreativität selbstbewusst entfalten kannst.

Bevor du anfängst …

1. Du brauchst eine Geschichte

Du kannst die besten Kameras der Welt haben, mehr Geld, als du je brauchen wirst und sogar filmerisches Talent, aber ohne eine Geschichte hast du am Ende nur einen Haufen Filmschnipsel auf dem Boden des Schneideraums.

Es ist die Handlung, die uns in ihren Bann zieht, die uns weiterschauen lässt und die uns dazu bringt, mit all unseren Gefühlen dabeizusein. Selbst, wenn du einen Amateurkurzfilm machst, mit deiner Mutter als Zielgruppe, lohnt es sich, über eine grobe Handlung nachzudenken.

Dazu gehört:

  • Ein Anfang oder eine Einführung, die den Rahmen der Geschichte absteckt
  • Ein Mittelteil mit ein paar aufregenden Details oder einer überraschenden Wendung in der Handlung
  • Ein Abschluss oder eine Schlussfolgerung

2. Achte auf die Details

Überleg dir, was du über eine Aktivität oder ein Abenteuer wissen musst, um dessen Essenz zu erfassen. Wenn du eine mehrtägige Wandertour filmst, ist dann das Geplänkel vor der Wandertafel genauso wichtig wie der Aufstieg zum ersten Gipfel? Helfen Aufnahmen von der Zubereitung wärmender Trockenmahlzeiten deine Story im Detail zu erzählen? Oder eine Szene von Rucksäcken, die langsam am Ende des Weges verschwinden? Oft sind es die kleinen Dinge, die deine Geschichte zum Leben erwecken.

3. Halte dich an Bewährtes

Gute Kameraführung leitet die Zuschauer in die Geschichte, lässt sie in die Welt eintauchen. Das Licht und der Bildwinkel einer Aufnahme vermitteln Emotionen. Warmes, weiches Licht (während der sogenannten „goldenen Stunde“) erzeugt ein angenehmes freundliches Gefühl, grau-blaues Licht dagegen ist kalt und unheilvoll. Ein niedriger Standpunkt, die Froschperspektive, kann das Motiv größer, vielleicht heroischer, erscheinen lassen, ein erhöhter Standpunkt, die Aufsicht, zeigt das Motiv im Kontext der Umgebung und vermittelt dadurch, wie klein es inmitten der Landschaft ist.

Die klassischen Regeln der Fotografie gelten auch beim Film:

  • Die Drittel-Regel
    Das Bild wird gedanklich in drei gleich große Teile geschnitten und das Motiv an den Grenzlinien der Teile platziert.
  • Führungslinien
    Führungslinien ziehen den Blick auf das Motiv. Zum Beispiel mit einem Fluss, der die Augen auf eine kleines Boot am Horizont lenkt oder einer Straße, an deren Ende ein Radfahrer zu sehen ist.
  • Lass das Licht für dich arbeiten
    Die goldene Stunde (kurz nach dem Sonnenaufgang oder kurz vor dem Sonnenuntergang) ist die Lieblingszeit der Fotografen, weil dann das Licht besonders weich ist und das Motiv in ein besonders vorteilhaftes Licht taucht. Vermeide, wenn möglich, harte Schatten.

Beim Filmen …

4. Haupteinstellungen

Damit deine Handlung funktioniert, brauchst du Sequenzen oder Aufnahmen, die zusammengesetzt funktionieren. Mit ein paar Haupteinstellungen lässt sich dabei fast jede Handlung auf einen Strang fädeln. Bevor du losziehst, solltest du dir überlegen, welche davon funktionieren könnten. Versuch’s mal mit diesen:

  • Close-up von Händen
  • Close-up von einem Gesicht
  • Über die Schulter
  • Weitwinkel
  • ein weiterer Blickwinkel

5. Unterstützende Einstellungen

Zusätzlich zu den Haupteinstellungen solltest du dir noch Zeit für ein paar Einstellungen nehmen, die du frei verwenden kannst. Das sind deine „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karten, Sie helfen, die Handlung in Schwung zu halten und elegant voranzutreiben.

  • Überblick und Kontext

Wenn du schon jemals ein Mountainbike-Video angeschaut hast, das ausschließlich mit der Headcam aufgenommen wurde, weißt du wahrscheinlich, dass wir beim Zuschauen der Action nur bis zu einer gewissen Grenze folgen können. Wir brauchen auch Kontext. Also: Wist der Trail, wie sieht dieser Drop von der Seite aus? Drohnenaufnahmen sind perfekt für Gesamtansichten oder Eröffnungsszenen, weil sie die Umgebung einfangen. Ein Kamera, die du auf einem Stativ/GorillaPod montierst, daran vorbeifährst und anschließend wieder mitnimmst, funktioniert sehr gut.

  • Motivwechsel 

Motivwechsel (oder Cut-aways) kannst du zwischen einzelne Aufnahmen setzen oder in längere Aufnahmen zum Auflockern einsetzen. Zum Beispiel: fließendes Wasser, Wind in Ästen oder Paddel, die durchs Wasser gleiten. Sie funktionieren am besten, wenn sie sich auf das Hauptmaterial beziehen. Etwa beim Interview mit einer Mountainbikerin: Wenn sie erzählt, wie herausfordernd die Drops waren, ist es sinnvoll, Bilder von diesen Drops einzublenden zu haben oder etwas, dass Angst, Konzentration oder Anstrengung darstellt.

  • Interviews 

Interviews können die Geschichte bereichern. Du kannst sie als Voice-Over über eine Filmszene legen oder eine Lücke füllen, wenn du das Hauptereignis verpasst hast. Wenn du das Hauptereignis nicht aufnehmen kannst oder nicht aufgenommen hast, schalt danach so schnell wie möglich deine Kamera an und nimm deine eigenen oder die Reaktionen und Emotionen anderer auf. Gut möglich, dass genau das die Inhalte sind, die für andere besonders interessant sind.

6. Audio

Die Tonqualität wird bei Amateurproduktionen oft vernachlässigt, dabei ist sie eines der wichtigsten Elemente eines Films. Es gibt zwar viele Geräte, die hochwertige Filme aufzeichnen, aber nur wenige davon liefern auch ordentliche Audioqualität. Ein Film mit niedriger Auflösung und ausgezeichnetem Ton ist aber viel besser anzuschauen als hochauflösendes Material, das klingt, als wäre es in einer Blechdose unter Wasser aufgenommen. Um dieses Szenario zu verhindern, hast du verschiedene Möglichkeiten.

  • Nimm den Ton separat auf und synchronisiere ihn später mit den Bildern. Das kann etwas zeitaufwändig und auch komplexer sein, bringt aber die besten Ergebnisse.
  • Bring das Mikro immer so nah wie möglich an die Tonquelle.

Nimm auch ein paar Minuten Umgebungsgeräusche auf – Vogelgezwitscher, Wind in den Bergen, Brandung am Meer. Sie sind perfekt als Backup, wenn das Audio an einer Stelle  mal nicht funktioniert hat. Du kannst sie auch verwenden, um den Originalton komplett zu ersetzen und so mehrere Aufnahmen miteinander zu verknüpfen. Außerdem sind sie ideal für Drohnenaufnahmen ohne eigenen Ton.

Worauf es bei all dem ankommt …

Ganz am Anfang, und um deinen kreativen Ball ins Rollen zu bringen, kann es helfen, den Stil der Filme nachzuahmen, die dir am besten gefallen. Letztendlich bietet dir aber das Filmen – wie jedes kreative Tun – die Möglichkeit, dir Abenteuer auszudenken und deiner Kreativität freien Lauf zu lassen, Spaß zu haben und andere zu inspirieren in deine Welt mitzunehmen. Am besten fängst du ganz entspannt an und genießt den Prozess.

Du machst lieber Fotos als Filme? Hier bekommst du Tipps für tolle Outdoor-Fotos.

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