Transit oder „im Wandel“: vom Profi-Radrennfahrer zum Profi-Abenteurer mit Laurens ten Dam

Am 13. Oktober 2019, einen Tag nach der Lombardei-Rundfahrt, machten sich fünf Freunde mit vier Räder und einem Begleitfahrzeug auf und fuhren in nur zwei Tagen von Como nach Siena. Für Laurens ten Dam war es der erste Tag als Ex-Radprofi und der erste Tag seines Lebens als Profi-Abenteurer. Wir haben ihm einen paar Fragen zur Tour und zu seinem Wandel insgesamt gestellt. Und das hat er zu den bevorstehenden Veränderungen in seinem Leben gesagt.

Um deinen Wandel vom Profi- zum Abenteuer-Radfahrer zu dokumentieren, hast du entschieden, einen Film über das Abenteuer zu machen: Transit. Obwohl der Schwerpunkt des Films auf deiner Fahrt liegt, sieht man noch andere Gesichter außer deinem. Wer war noch bei deiner Tour dabei?

Transit war für mich eine symbolische Reise und Stefan Bolt, Sam Oomen, Dennis Bruin und Vincent Moes haben mich dabei unterstützt.

Stefan moderiert mit mir den Podcast Live Slow Ride Fast. Er liebt Radsportfakten und ist ständig auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei der Ausrüstung oder bei der Kleidung. Wir nennen ihn deshalb Mr. Shortcut. Während der Transit-Tour nannten wir ihn den „Weekend-Warrior“.

Sam Oomen, a.k.a. „the Comeback Kid“, ist Radprofi im Team Sunweb. Er ist ein vielversprechender junger Fahrer, der allerdings vor kurzem operiert werden musste. Trotz dieses Rückschlags ist er aber fest entschlossen, seine Radsportkarriere in größere Höhen zu führen.

Dennis Bruin, für Insider auch „Hustle“ Dennis, kümmerte sich um die ganze Logistik auf dem Trip: Er fuhr den Begleitwagen, war Fotograf und Mechaniker. Er kann einfach alles. Und wenn alles erledigt war, sprang er auch noch aufs Rad.

Vincent Moes war unsere Ein-Mann-Filmcrew auf diesem Trip. Er ließ Drohnen Autos verfolgen und durch den Verkehr wandern. Nichts ist für Vincent zu verrückt, wenn es darum geht, genau die besondere Aufnahme zu bekommen, die er sich vorstellt.

Wie habt ihr die Route von Como nach Siena geplant?

Stefan hat die Route mit komoot geplant und ich habe ein paar Änderungen daran gemacht, während ich im Bett lag und auf den Start der Lombardei-Rundfahrt wartete. Ich hatte ein paar Sonderwünsche, unter anderem wollte ich die Cinque Terre besuchen, obwohl das einen Umweg von etwa 50 Kilometern bedeutete.

Gab es irgendwelche nervigen Momente unterwegs?

Es gab auf jeden Fall ein paar beängstigende Momente, vor allem im Dunkeln, in der letzten Stunde vor unserer Ankunft in Lecchi. Ich wage zu behaupten, dass ich ein ziemlich erfahrener Fahrer bin, aber ich hatte Angst, dass Stefan die Abfahrt zu mutig angehen und nicht an den Fahrstil der italienischen Autofahrer denken würde. Die sind es nicht gewohnt, um diese Zeit auf Radfahrer zu treffen. Aber es ist alles gut gegangen.

Was war das Highlight der Tour?

Für mich waren die Cinque Terre ein echtes Highlight: So schön und so zerklüftet. Das emotionale Highlight war natürlich die Ankunft in Lecchi. Das ganze Dorf wartete auf uns und wir waren so glücklich, dass wir es geschafft hatten.

Was macht Radfahren in der Toskana besonders?

Radfahren in der Toskana ist nie gleich. Hinter jeder Kurve tut sich ein neues Panorama auf. Und dann sind da diese Dörfer, in denen die Zeit scheinbar stehengeblieben ist. Aber das Beste ist, egal, wo man anhält, immer erwartet einen gutes Essen und Trinken. Und das ist perfekt auf einem Trip wie diesem – bei dem man ständig Hunger hat.

Welche Zutaten gehören in ein tolles Radabenteuer? Und waren sie in dieser Tour enthalten?

Zu einer schönen Tour gehören vor allem eine abwechslungsreiche Strecke und gute Gesellschaft. Aber damit eine Tour unvergesslich wird, braucht es noch einen Schuss Epik: Eine verrückt lange Strecke zum Beispiel oder Streckenteile, die dich wirklich überraschen und dich aus deiner Komfortzone zwingen.

Auf unserer Transit-Tour hatten wir das alles. Laut komoot braucht man für die Strecke, die wir zurücklegen wollten, zwischen fünf und acht Tagen. Wir haben uns zwei Tage als Ziel gesetzt. Dann weiß man, dass man richtig hart reinhauen muss und das bringt alle einander näher. Unter echten Qualen verlierst du alle Grenzen und Hemmungen. Trotzdem wären fünf Tage und ein bisschen mehr „Live Slow“ auch schön gewesen.

Wer hat auf der Fahrt die Entscheidungen getroffen und ist das gut gelaufen?

Ich glaube, ich habe alle Entscheidungen getroffen, außer, wenn es um Kamerawinkel und -einstellungen ging. Es war mein persönlicher Wunsch, dass diese Reise das Ende meiner Profi-Rennsport-Karriere markieren sollte. Dass wir nur zwei Tage hatten, war auch meinetwegen, denn ich wollte rechtzeitig zum Geburtstag meines Sohnes zurück sein.

Wir haben gehört, ihr habt ein Bewertungssystem für komoot entwickelt. Wie hat das funktioniert? 

Das lief so, dass wir Leistungspunkte an komoot verteilten: +10 oder +20, wenn wir angenehm überrascht wurden, von einem tollen Ziegenpfad oder einer Straße, die wir selbst nie gefunden hätten. Manchmal vergaben wir aber auch -10, wenn wir auf der gleichen phänomenalen Strecke Treppen hochsteigen mussten oder unsere Räder tragen. Dann verfluchten wir manchmal die Route, haha. Aber es sind Momente wie diese, in denen du weißt, dass du etwas Besonderes tust. Etwas, das nicht alle tun.

Wie siehst du die Fahrt im Rückblick

Diese Fahrt war eine emotionale Achterbahn für mich. Mein letztes Rennen als Radprofi war vorbei und am selben Abend feierten wir den Sieg von Bauke Mollema (einem Freund und früheren Teamkollegen). Daran hätte wohl im Traum niemand gedacht. Darauf folgten zwei Tage, an denen wir diesen wunderschönen Teil Italiens auskosteten: Die Landschaft, das ausgiebige Essen und die Erzählungen der anderen vom Tag: Wo hattest du eine schwere Zeit? Wer hat wen fallen lassen? Und dann diese magische Ankunft in Lecchi, dem kleinen Dorf in Chianti, wo mein Manager Joāo auf uns wartete. Das machte die Reise vollkommen.

Was wird dein nächstes Abenteuer?

Seit Italien haben wir schon zwei weitere Abenteuer mit komoot hinter uns gebracht. Zuerst ein Gravel-Abenteuer in Marokko, wo wir uns wegen der Sprachbarriere und anderer Umstände bei der Route und bei der Navigation voll auf komoot verlassen mussten. Das lief großartig.

Als Nächstes fuhren wir in die Berge von Girona, wo ich – als Ex-Profi – glaubte, schon auf allen Straßen gefahren zu sein. War ich aber bei weitem nicht. Wir mussten hart arbeiten aber komoot belohnte uns dafür mit den schönsten Schotterwegen.

2020 wirst du als offizieller Ambassador für komoot auftreten. Was macht komoot aus, dass du mit deinem Namen dafür stehen willst?

Der größte Vorteil von komoot ist eigentlich der Überraschungseffekt. Du gehst dorthin, wo du normalerweise nicht hingehen würdest. Es ist, als hättest du immer einen Einheimischen dabei, der dir sagt: „Dort hinter der Kirche am Zaun geht es auf einen schönen Ziegenpfad, der in einen Fernweg übergeht und dann durch die Felder zurück führt. Die Leichtigkeit, mit der du Routen erstellen und mit anderen teilen kannst, ist ein echter Pluspunkt. Du kannst von anderen lernen und deine eigenen Routen teilen.

Du kannst Laurens hier bei komoot folgen.

Fotos © Dennis Bruin

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