Ode an die schottische Bothy

Ein unberührter, abgeschiedener Strand, allein von Seevögeln bewohnt, ein schneebedecktes Tal, weit von allen Mobilfunknetzen entfernt – und nur ein einsames Bauwerk deutet darauf hin, dass der Mensch schon hier war: ein Haus mit Blechdach und klappriger Tür oder eine Holzhütte mit großem Panaroramafenster, leicht trüb von der salzigen Seeluft.

Wenn die Tür unverschlossen ist und du hereinschaust, findest du innen einfache Schlafräume (manchmal hölzerne Stockbetten ohne Matratzen, manchmal einfache Liegen), dazu ein Gästebuch und, wenn du Glück hast, einen Kamin mit etwas Feuerholz, das die vorherigen Besucher hinterlassen haben.

Entscheidest du dich, über Nacht hier zu bleiben, hast du den Ort wahrscheinlich ganz für dich allein. Hat dich eine lange Wanderung oder Radfahrt entlang abgelegener Wege hierher geführt, sogar ziemlich sicher. Dann verbringst du den Abend damit, der Stille der Wildnis zuzuhören, dich um das Feuer zu kümmern und im Gästebuch die Kommentare derer zu lesen, die vor dir hier waren. Wenn du am Morgen aufwachst, ist es kühl, aber du fühlst dich lebendig. Und angeregt von der frischen Luft und der Landschaft vor dem Fenster hinterlässt du deinen eigenen Kommentar im Buch.

Bist du auf einem kürzeren oder beliebteren Weg hierher gekommen, legst du wahrscheinlich zuerst deinen Schlafsack auf eine der Liegen, um dir einen Platz für die Nacht zu reservieren. Während du anschließend draußen nach Feuerholz suchst, treffen noch mehr gleichgesinnte Entdecker ein und ihr verbringt den Abend damit, euch gegenseitig von eurem Leben und euren Abenteuern zu erzählen. Vielleicht stört ein sanftes Schnarchen deinen Schlaf, aber das erträgst du gerne für das große Gefühl der Verbundenheit, das du im Gegenzug erhältst.

Bothies sind alles andere als Luxusunterkünfte, aber was ihnen an Komfort fehlt, gleichen sie aus mit der herrlichen Umgebung, ihrem einzigartigem Charme und dem unvergleichlichen Gemeinschaftsgeist, der ihnen wohnt. 

Bothies gehören als fester Bestandteil zum Abenteuer in den schottischen Highlands, aber auch in Nordengland und Wales kann man sie vereinzelt finden. Fast immer liegen sie an atemberaubend schönen Orten. Das macht sie zum begehrten Ziel bei Neulingen genau wie bei erfahrenen Abenteurern. Und was sie ganz besonders auszeichnet, ist ihre Geschichte und die ungeschriebenen Gesetze und Werte, die alle ihre Liebhaber teilen.

Die Geschichte der bescheidenen Hütte

Viele Bothies entstanden als einfache Hütten für Landarbeiter. Als die Welt sich weiterentwickelte und immer mehr Menschen in die Städte zogen, wurden viele von ihnen verlassen. Aber es dauerte nicht lange, bis die ersten abenteuerlustigen Menschen begannen, sie auf ihren Erkundungen in den Bergen als Unterschlupf zu nutzen. Heute werden viele Bothies ganz offiziell und mit Erlaubnis der Landbesitzer von der Mountain Bothy Association gepflegt. Bothies und ihre Erhaltung sind zu einer eigenen Outdoor-Bewegung geworden.

Was dich erwartet

In Bothies findest du: Echtes Abenteuer, grandiose Landschaft und sicherer Unterschlupf für die Nacht. Was du nicht erwarten solltest, sind fließendes Wasser oder elektrischer Strom. Vielleicht gibt es eine Wasserquelle in der Nähe, vielleicht auch nicht. Was es ganz bestimmt nicht gibt, ist eine Toilette, dafür ist immer ein Spaten da. Gibt es einen Kamin, liegt womöglich Feuerholz daneben, aber du solltest für alle Fälle deine eigenen Kochutensilien dabei haben. Das gleiche gilt fürs Schlafen – es gibt weder Matratzen noch Bettwäsche. Kurz gesagt: Pack genau wie für das Campen in der Natur. Die Mountain Bothy Association nennt das „Bothying” auch ziemlich passend „Camping ohne Zelt”. Genau diese Einfachheit ist das Schöne an dieser Art des Abenteuers. Und dass sich daraus eine eine ganze Gemeinschaft von Menschen gebildet hat, die ein Interesse teilen – schöne Orte zu entdecken und den besonderen „Bothy Spirit” zu erhalten.

Scottish bothy in a wild and isolated location

Der Bothy-Code

Die Grundlage der Bothy-Gemeinschaft sind zwei einfache Regeln: Bothies sind kostenlos und für jedermann zugänglich.

Dazu kommen noch ein paar Dinge, die du beim „Bothying” beachten solltest:

  • Denk an die anderen Besucher
    Es gibt kein volles Bothy – außer natürlich, wenn es physikalisch unmöglich ist, noch eine Person mehr hineinzuquetschen. Mach den nächsten Besuchern eine Freude: Ersetze das Feuerholz, das du benutzt hast, durch neues und lass ein paar Kerzen, unverderbliche Snacks und andere „Leckereien” da. So kannst du dich schon im Voraus für den Gefallen revanchieren, den andere dir vielleicht schon bei der nächsten Bothy, die du besuchst, getan haben.
  • Kümmere dich um die Bothy
    Behandle sie, als wäre sie dein persönliches Refugium. Achte auf Brandrisiken, nimm deinen Müll und verderbliche Nahrungsmittel wieder mit, damit der Ort nicht von Mäusen heimgesucht wird.
  • Respektiere die Umgebung und die Vorschriften
    Denk daran, dass die Bothies meist überhaupt nur genutzt werden dürfen, weil die Landeigentümer ihre Erlaubnis gegeben haben. Deshalb solltest du das Gebiet um die Bothies mit Respekt behandeln, indem du das Klo (oder den Spaten) gewissenhaft benutzt (also weit weg von Wasserquellen und vom Haus) und nur totes, trockenes Holz zum Feuermachen verwendest. Ganz wichtig ist es auch, dass du dich an die örtlichen Vorschriften hältst, zum Beispiel die Einschränkungen während der Lammzeit, wenn die jungen Schafe und ihre Mütter Ruhe brauchen.

Den Originaltext des Bothy Code kannst du auf der Website der Mountain Bothy Association (auf Englisch) nachlesen.

Wenn du also Lust auf Abenteuer hast und bereit bist, ein paar (kleine) Regeln einzuhalten, dann bieten dir Bothies fantastische Möglichkeiten, die schönsten Flecken der Natur zu erleben, die Großbritannien zu bieten hat.

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