Lael Wilcox: Mein Weg an die Ultracycling-Weltspitze

Als Lael Wilcox 2016 das Trans-Am-Radrennen gewann und nicht nur alle Frauen, sondern dabei auch alle Männer hinter sich ließ, eroberte sie die Ultracycling-Welt quasi im Sturm. Ihr Weg dorthin ist nicht weniger faszinierend, in kürzester Zeit hat sich Lael von einer Vollzeit-Rad-Reisenden, die mit ihrem Freund um die Welt tourt, zu einer Ultracycling-Enthusiastin entwickelt. Ihre entspannte Einstellung und sanfte Art zu sprechen täuschen fast über ihre kämpferische Natur hinweg, die sie jedoch zu einer der erfolgreichsten Ultracycling-Fahrerinnen der Welt gemacht hat. Lael nutzt Komoot, um ihre Rennstrecken auszukundschaften, Trainingsfahrten zu planen und ganz generell um die Welt zu entdecken. Wir haben uns mit ihr nach dem Navad-1000-Rennen in der Schweiz zu einem kurzen Interview getroffen. Die Teilnehmer dieses Rennens überwinden auf 1000 Kilometern unglaubliche 30.410 Höhenmeter. Laels Leistung auf dieser Strecke war überragend, sie absolvierte es in nur 4 Tagen, 10 Stunden und 6 Minuten als zweite Frau, die jemals das Rennen beendet hat – und sie brach dabei den bisherigen Streckenrekord ihrer Vorreiterin. In unserem Interview erfährst du mehr darüber, was Lael zu einer so einzigartigen Rennfahrerin macht.

 

Erzähl uns, wie bist du zum Radfahren gekommen?

Als ich an der University of Puget Sound in Tacoma, Washington studierte, habe ich irgendwann angefangen mit dem Fahrrad zu pendeln. Damals war ich etwa 20. Die Pendelstrecke war ungefähr 6 Kilometer in jede Richtung, also gerade zu weit um sie zu Fuß zu gehen. Kurze Zeit später wollte ich meine Schwester in Seattle besuchen, hatte aber tatsächlich keine 2,50 Dollar für das Busticket übrig. So entschied ich mich, die 70 Kilometer mit meinem Fahrrad zu bestreiten, um sie zu besuchen. Eine Fahrt, die sich bis heute wie die längste meines Lebens anfühlt. Aber als ich damals so unterwegs war, kam mir plötzlich ein Gedanke: Wenn ich von einer Stadt zur anderen fahren kann, dann kann ich auch auch einfach durch das ganze Land fahren.

Als ich später in diesem Jahr meinen Abschluss machte, packte ich also mein Rad und meinen damaligen Freund, Nicholas Carman, und startete meine erste Radreise. Auf unserer ersten Tour fuhren wir von Boston nach Montreal und dann südlich nach Key West, Florida. Dort war die Straße quasi zu Ende und Geld hatten wir auch keines mehr, also haben wir uns Jobs als Velotaxi-Fahrer und in einem Restaurant besorgt. Wir haben für ein paar Monate Geld gespart und machten uns dann auf die Reise nach Westen, nach Kalifornien. Sieben Jahre lang waren wir auf der Straße zuhause, dazwischen gab es immer wieder kurze Perioden zum Arbeiten und Geld sparen und dann ging es auch schon weiter ins nächste Abenteuer. Die jahrelange Reise führte uns über 150.000 Kilometer durch 35 Länder auf der ganzen Welt.

Nach einer neunmonatigen Reise in Osteuropa, Südafrika und dem Nahen Osten nahm ich 2015 an meinem ersten Bikepacking-Rennen teil: Der Holyland Challenge, eine 1.400 Kilometer lange Mountainbike-Route, die sich durch ganz Israel zieht. Ich war die einzige Frau und auch die jüngste Teilnehmerin am Start. Ich fuhr mein altes Tourenrad, ein Raleigh 29er aus Stahl, mit normalen Plattformpedalen und Laufschuhen. Alle dachten, das wäre ein Witz und dass ich nicht mal den ersten Tag schaffen würde.

Aber am Ende des ersten Tages lag ich bereits 40 Kilometer vor dem zweitplatzierten Mann – und ich hatte auch noch sehr viel Spaß dabei.

Nach der Holyland Challenge entschied ich mich für die Tour Divide, ein 4.420 Kilometer langes Mountainbike-Rennen von Kanada nach Mexiko. Noch in Israel dachte ich, dass ich eigentlich genug Zeit hätte, um nach Hause nach Alaska zu fliegen, mir ein Rennrad zu organisieren und dann die 3.400 Kilometer von Anchorage nach Banff, dem Startpunkt des Rennens, mit dem Rad zu fahren. Also tat ich das.

Es war eine absolut unglaublich Fahrt dorthin. Ich radelte an etwa hundert Bären vorbei und das bei fast 24 Stunden Tageslicht. Es war auch meine erste richtig lange Solofahrt. Ich habe die Strecke in 19 Tagen absolviert, mir eine Woche Pause gegönnt und bin dann an den Rennstart gegangen. Bei dieser Tour stellte ich gleich den neuen Streckenrekord für Frauen auf und habe die Tour Divide in 15,5 Tagen absolviert, dreieinhalb Tage schneller als die ursprüngliche Rekordhalterin.

Foto: Rugile Kaladyte

Wir haben irgendwo gelesen, dass du Rennen gewinnst, weil du weniger schläfst als andere (und offensichtlich auch übermenschliche Kräfte besitzt 😉 )… Wie machst du das? Trainierst du deinen Schlafrhythmus? 

Normalerweise schlafe ich nicht weniger als alle anderen. Bei den sehr langen Rennen (Trans Am und Tour Divide) komme ich in der Regel auf vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Einige Leute, gegen die ich bereits Rennen gefahren bin, kommen nur auf etwa eine bis drei Stunden. Ich glaube, beziehungsweise weiß ich, wenn ich für etwa zwei Wochen unterwegs bin, brauche ich mindestens vier Stunden pro Nacht, um dauerhaft zu funktionieren.

Während des Navad 1000 habe ich insgesamt neuneinhalb Stunden während des gesamten Rennens geschlafen, was mich auf diese vier Tage und zehn Stunden Rennzeit gebracht hat.

Ich hatte nicht damit kalkuliert nur so wenig zu schlafen, aber ich wurde nach nur etwa zwei Stunden Schlaf einfach wieder wach und bin weitergefahren. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Strategie für ein längeres Rennen funktionieren würde. Für das Navad war es okay und machte es auch umso spannender. Ich lieferte mir einen guten Kampf mit Stepan Stransky, dem späteren Sieger des Rennens.

 

Du bist die Navad 1000 Route bereits vor dem Rennen abgefahren. Würdest du das empfehlen? Bringt es Vorteile?

Ich hatte richtig viel Spaß auf der Navad 1000 Route – bereits vor dem Rennen. Das gab mir die Möglichkeit, die Schweiz besser kennenzulernen, die Strecke zu “besichtigen” und ein gutes Training für das Rennen zu absolvieren. Die Navad-Route umfasst mehr als 30.000 Höhenmeter und es wird oft richtig steil. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, die Strecke vor dem Rennen zu erkunden, wenn man genügend Zeit hat. Vor allem ist es eine Route, die es Wert ist, mindestens zweimal gefahren zu werden.


Wir haben mitverfolgt, wie du dich mit dem späteren Gewinner des Navad 1000 gemessen hast. Bist du dein eigenes Rennen gefahren oder hast du versucht, mit ihm Schritt zu halten, um den ersten Platz zu erreichen? Wenn ja, findest du das motivierend?

Ich mag Konkurrenzkämpfe – aber nur zum Spaß. Ich liebe es, gegen andere Leute anzutreten, aber kann mich nur durch und bei positiven Assoziationen motivieren. Ich weiß, wenn ich nicht mein Bestes gebe, werde ich von mir selbst enttäuscht sein, egal wie das Rennen ausgeht. Also ist es für mich sehr einfach: Ich tue MEIN Bestes. Die meiste Zeit habe ich dabei einfach viel Spaß, denn ich genieße es einfach auf meinem Fahrrad zu sitzen und draußen zu sein.

Welches sind deine nächsten Rennen? Hast du dir für dieses Jahr noch ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Mein nächstes Rennen ist das French Divide am 4. August. Ich bin ja schon seit einiger Zeit in Europa und nutze das um die Strecke wieder vor dem Rennen zu erkunden und werde auch danach den restlichen Sommer in Europa verbringen. Es macht Spaß, einen neuen Kontinent zu erkunden. Das Navad 1000 und das French Divide sind beide eher kürzere Rennen, als ich es gewohnt bin und kürzere Wege bedeuten weniger Schlafmangel, eine ziemlich schöne Abwechslung.

Was wäre deine Traumreise auf dem Fahrrad? Gibt es da überhaupt noch etwas auf deiner Liste?

Oh wow, ich habe keine Ahnung. Eines der aufregendsten Dinge an meinem Lebensstil ist, dass ich nie weiß, was ich nächstes Jahr machen werde. Es gibt definitiv einige Länder, in denen ich gerne noch oder nochmal reisen würde. Georgien ist eines davon, Kirgisistan ein anderes. Hoffentlich schaffe ich es in den nächsten Jahren dorthin.

Gibt es ein Rennen das du unbedingt noch gewinnen möchtest?

Nicht wirklich. Ich würde gerne noch einmal den Gesamtrekord für das Tour Divide-Rennen brechen, aber vielleicht erst in ein paar Jahren. Im Moment bin ich einfach glücklich, wenn ich Challenges an neuen Orten bestreiten und die Welt erkunden kann.

Und, was gefällt dir am besten an komoot?

Ich mag, wie einfach es ist mit komoot zu planen! Ich habe mich in der Vergangenheit bei der Routenplanung auf unseren Reisen um die Welt eher im Hintergrund gehalten.

Komoot gibt mir das Vertrauen, zu planen und zu navigieren, ohne mich mit Karten herumschlagen zu müssen oder den Stress, sich an Kleinigkeiten und Stichworte zu erinnern.

Es ist sehr angenehm, die App ihre Arbeit machen zu lassen, während man sich selber darauf konzentrieren kann, ein Rennen zu gewinnen.

Schau’ dir Laels Profil auf komoot an und hol dir Inspiration für deine eigenen Abenteuer. Und wenn du schon dabei bist, kannst du dir gleich ihre nächste Herausforderung ansehen, das French Divide Rennen welches am 4. August startet.

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