Lael Wilcox’ Bikepacking-Tipps für Anfänger und Profis

Lael Wilcox hat auf ihrem Fahrrad hunderttausende Kilometer zurückgelegt, manchmal als Teil von Ultra-Langstreckenrennen, wie dem Hope 1000 vor kurzem in der Schweiz. Mal möchte sie die schnellste je gefahrene Zeit einer Route knacken (auch FKT – “fastest known time”), andere Male geht es ihr einfach darum, auf Entdeckung zu gehen oder mit den Mädels der GRIT-Initiative (“Girls Riding Into Tomorrow”) Zeit zu verbringen. Sie liebt es, mit ihrem Rad unterwegs zu sein, egal wie die Umstände auch sein mögen, und hat über die Jahre  einige Erfahrungen und Weisheiten gesammelt. Aber wie immer, wenn es darum geht, etwas zum ersten Mal zu machen, ist auch Laels Devise bei Abenteuern simpel: Nimm es dir vor und dann fahr einfach los. 

Zum Launch unserer neuen Bikepacking-Inhalte und verbesserten Suche im “Entdecken”-Tab haben wir Lael gebeten, ein wenig ihres endlosen Bikepacking-Wissens mit uns zu Teilen. Eine Sache, die dir sofort auffallen wird ist: Obwohl Lael unzählige Abenteuer hinter sich hat, sind die Fragen, über die sie sich Gedanken macht, bevor sie losfährt, genau die gleichen, die blutige Anfänger sich stellen. Und damit übergeben wir das Wort auch schon der Profi-Bikepackerin persönlich…

© Rugile Kaladyte

Bikepacking muss nicht kompliziert sein. Befestige einen Schlafsack an deinem Rad – vielleicht noch eine Isomatte und ein Zelt. Fahr ein paar Stunden in eine Richtung. Baue dein Lager auf. Iss etwas. Geh ins Bett. Wach auf und fahr nach Hause.

Aus zweierlei Gründen ist Bikepacking besonders spannend. Einerseits aufgrund der Entscheidungen, die du ständig treffen musst und die dein Abenteuer maßgeblich prägen, andererseits durch die unvorhersehbaren Dinge, die auch immer passieren. Wo willst du hin? Wie möchtest du dorthin gelangen? Wo wirst du schlafen? Was wirst du essen? Wer kommt mit? Wie wird das Wetter?

Mein wichtigster Tipp für Anfänger ist, sich nicht von all den Möglichkeiten überwältigen zu lassen. Fahr einfach los, sobald es geht. Es muss nicht perfekt sein. Du musst nicht die beste Ausrüstung haben. Mach es einfach, und dann mach es nochmal, vielleicht wird es das zweite Mal noch besser. Was aber auf jeden Fall passieren wird, ist dass du viel über dich und deine Vorlieben lernst.

Das Wichtigste ist, aus dem Haus zu gehen. Und dann gibt es drei wichtige Elemente, über die du dir Gedanken machen solltest: Die Route, was du mitnimmst, und ob du allein oder in Begleitung fährst.

© Rugile Kaladyte

Für eine Route entscheiden

Radfahrer auf der ganzen Welt erstellen Routen. Auf komoot findest du großartige Collections und Touren. Oder du planst einfach deine eigene. Gib Start- und Zielpunkt ein, wähl deinen Fahrstil. Und dann schau was passiert. Ich mache das sogar zuhause in meiner Heimatstadt Anchorage, Alaska und bin oft überrascht, was ich so finde – kleine Verbindungswege durch die Nachbarschaft, neue Wege zu bekannten Orten. Es macht richtig Spaß, da Abwechslung reinzubringen. So kommst du physisch und mental an neue Orte – und genau das macht es so spannend.

Packe Übernachtungs-Ausrüstung auf dein Rad

Was brauchst du wirklich? Definitiv einen Schlafsack! Was sonst? Essen! Was möchtest du essen? Möchtest du kochen? Brauchst du eine Stirnlampe, um nachts etwas zu sehen? Falls du etwas vergisst, ist das nicht das Ende der Welt. Du kannst es einfach nächstes Mal einpacken. Je leichter dein Rad ist, desto mehr Spaß macht es, damit zu fahren, also vermeide, zu viel mitzunehmen. Ich empfehle eine warme Jacke mit kleinem Packmaß und vielleicht ein extra Paar Socken, falls du in nassen Bedingungen fährst. Achte darauf, dass du deine Kleidung in Schichten übereinander tragen kannst, so kannst du einfach alles anziehen, wenn es kühler wird.

Wer kommt mit?

Möchtest du mit Freunden, Familie oder allein fahren? Alle Versionen machen Spaß und sorgen für sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Mach einen Plan und dann raus mit dir!

Die einzige Art, es falsch zu machen, ist gar nicht erst loszufahren. Eine tolle Erfahrung wird es in jedem Fall. 

Und das waren sie, Laels Gedanken zu deinem ersten Bikepacking-Abenteuer (und vielleicht auch deinem zweiten und dritten).

Folge hier Laels Abenteuern auf komoot.

📷 Rugile Kaladyte

16 Comments

Kommentieren
  1. Benjamin Klyeisen sagt:

    Das hört sich alles sehr spannend an. Ich werde dann wohl auf Herbergen ausweichen müssen, denn mit was ich mich gar nie anfreunden könnte , ist verschwitzt in einen Schlafsack liegen, das geht gar nicht. Ich brauche da dann am Abend eine Dusche.

  2. Anne Vaagt-Bahner sagt:

    Von 2004-2007 bin ich in selbst erstellten Etappen ( 1-5 Tage am Stück – und immer da weitergefahren, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten und mit dem Zug zurück….) von München ( unser Wohnort) nach Flensburg ( meine Geburtsstadt) mit meinem damals 12-15 jährigen Sohn gefahren – eine supertolle Erfahrung !! Jetzt wäre es mit GPS viel einfacher, aber schon die Planung war damals sooo eine Vorfreude! Deutschland ist ein so schönes und abwechslungsreicher Land! Immer wieder – LG Anne

  3. Bernd-Rüdiger Ahlbrecht sagt:

    Zum 75. Geburtstag habe ich mir 2019 nach vielen Jahren der Fahrradmitnahme auf dem Auto in mehrere europäische Länder den Wunsch erfüllt, mit Fahrrad, Zelt und Schlafsack (ohne Auto) loszuziehen – hin zur Lieblingsregion Skandinavien. Es war grandios! Selbst die Anreise mit Flixbus von Düsseldorf zur Fähre nach Rostock verlief ohne Probleme. Nachtfahrt nach Trelleborg und dann bei schönstem Wetter die erste Etappe in Richtung Norden mit 84 km zum ersten Shelter. Und jeden Tag ein Erlebnis ohnegleichen, Entspannung, Genuß, Natur pur. Die Nächte im Zelt mit wesentlich tieferem Schlaf als die zwei Tage in einer Stuga und auf einem Campingplatz, ansonsten nur allemannsrätten! Insgesamt 14 Tage mit 960 km auf dem Rad und 5 kg weniger auf den Rippen, braungebrannt, da nur 1 Tag leichter Regen. Jederzeit wieder, wegen Corona im nächsten Jahr.

  4. Angelika Höft sagt:

    Ein Gefühl von großer Freiheit ist es, allein Mehrtagestouren zu fahren! Du kannst strarten wann du willst, pausieren ebenso, und es muss nicht Zelt und Schlafsack sein, Herbergen jeder Form gibt es auch, von Dachgeber über DJH, Pilgerherberge bis Hotel und FeWo.
    Meine erste Tour war von Halle bis S-H mit einem Klapprad, das ich bei Problemen jederzeit im Taxi, Bus oder Bahn hätte mitnehmen können. Seitdem muss es jedes Jahr mindestens 1 Mal auf Toour gehen, un d meinen Mann habe ichinzwischen auch infiziert!

    1. Thomas sagt:

      Ich habe die gleichen Erfahrungen. Es ist soooo mental entspannend allein einfach lostzradeln und das zu machen was und wann man will. Probiert es einfach aus….

  5. Giuseppe Bortolotto Silbermann sagt:

    Ich hatte mir erhofft, eine Route von NRW nach Padua vorgeschlagen zu bekommen.
    Geht das irgendwie?

    1. Schmogger 44 sagt:

      Hallo ich bin 2016 gemeinsam mit meiner Frau nach Venedig geradelt und dabei auch über Padua gekommen. Die gesamte Route ist vorhanden. Wir haben die Tour entlang des Rheins begonnen, den Bodensee mitgenommen und sind anschließend über Fern und Reschenpass der Via Claudia Augusta gefolgt.
      Die Überquerung der Alpen war so vergleichsweise einfach. Falls Interesse besteht würde ich Dir den Track zukommen lassen.
      Bis dann
      Uwe

      1. Erika sagt:

        Hallo scmogger
        Wäre der Route und den Übernachtungen interessiert, kann sie mir schicken?
        Lg Erika

  6. Hagen Strokosch sagt:

    Super Informativ und sehr Interessant.

  7. Roland sagt:

    Stellt doch mal eine gute Checkliste zum Download bereit, ggf. mit Prioritäten “ Muss sein, kann sein… “ je nach Kategorie der Tour von kleinem Ausflug (z.B. nur Ersatzschlauch U. Werkzeug) bis Alpencross … Beste Grüße Roland

  8. Monika sagt:

    Es freut mich, das zu lesen – nach meinem 800km Trip in Süddeutschland meine ich auch, das wichtigste ist der erste Kilometer. Alles andere richtet sich danke!

  9. Na ja, weil das so schön ist, möchte ich dies nun so kommentieren!
    ,,,,genau ist es so: mehrtätige Radtouren sind Abenteuer pur, voller Entdeckungen, voll neuerer Erfahrungen…. auch mit sich selbst!
    Mittlerweile blicke ich auf einer 60jährigen Fahrradfahrer-Erfahrung zurück! Damals war vor 60-50 Jahren Fahrradfahren überhaupt nicht „modern“, bin jahrelange aber, so gut es ging (sehr wenige Radwege!), entlang vielen europäischen Flüssen mit leichtem Gepäck und Zelt (und Super8-Kamera) wochenlang allein Rad gefahren… habe dabei ganz selten einen Radfahrer gesehen!!!
    Durchaus grössere Probleme bereiteten damals die europäischen Grenzübergänge…damals!
    Nun habe ich Zelt- mit Hotel-Übernachtungen verstaüchst und bin mittlerweile relativ bekannt (als „Michel-on-Tour“ auch in den Medien), dass ich viele neuen Einfälle habe – und sie sehr oft tatsächlich in die Tat umsetze!
    Öfters wird dies von mir weiterhin – lustig verkleidet und mit rotem Nase – mit Geldsammlungen verbunden, was dies bei den Radtouren-Vorbereitungen zwar noch viel umfangreicher macht – aber am Ende sehr oft doppelt glücklich macht!
    All das ist jedoch NUR durch eine gesunde Lebensweise möglich – liebe Empfehlung
    an alle:
    tut ihr sehr viel dafür, um weiterhin gesund zu sein — und zu bleiben!
    Viele Grüße!
    Michel … jederzeit erreichreitbar unter: franceman1941@live.de

  10. Winkelhorst sagt:

    Herzlichen Dank

  11. Peter Kruse sagt:

    Leider ist in Deutschland das Zelten in der freien Natur nicht gestattet, man muss also vorausplanen.

  12. Kar-Heinz sagt:

    Das Ganze habe ich beeits vor 55 Jahren „gemeistert“ Touren wie z.B. zum Bodensee /Schweiz und Lichtenstein von Hofheim/Ts aus . Es macht viel Spaß und man lernt vieles dazu . Die Ausrüstung natürlich der Zeit entsprechend schwer (Zelt u. schlafsack) Auch deMain Radweg haben wir schon erkundet bei z.T. sehr warmen Temperaturen

  13. Frank Habeck sagt:

    Gut gesprochen, weniger ist mehr. Gerade im Sommer, bei Schnee werden die wenigsten Mehrtagestouren machen.
    Auf meiner Tour letzten September durch Deutschland, waren es Tags bis 30′ und Nachts/ in den Morgenstunden teils nur 3′.
    Alles aus- oder anziehen. Und wenn du nass bist, bei Sonne oder Wind in der Mittagspause trocknet alles.
    Rauf aufs Rad und los. Es muß nicht weit sein. Gute Fahrt Habi

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