Einmal um das Matterhorn – Pässe und Trails zum 50. Geburtstag

Anlässlich seines 50. Geburtstags begab sich komoot Pioneer Beat auf ein ganz besonderes Bike-Abenteuer: Die Umrundung des Matterhorns. Einer der höchsten Berge der Alpen und wegen seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte einer der bekanntesten Berge der Welt. Bei einer Umrundung per Bike sind also Panoramablicke und feinste Trails garantiert – für alle, die vor hochalpinen Herausforderungen und Tragepassagen nicht zurückschrecken. 

“Zu meinem runden Geburtstag wollte ich mich selbst mit einem tollen Abenteuer beschenken: Die Matterhorn-Umrundung – in sieben Tagen 340 Kilometer und rund 13000 Höhenmeter auf dem Bike zurücklegen. Ich war sofort Feuer und Flamme und so meldete ich mich für dieses Bike-Abenteuer an. Doch kurz vor dem Start kam die Enttäuschung: Wegen zu geringer Teilnehmerzahl sollte die Tour nicht durchgeführt werden. Ich konnte es nicht glauben. Die beiden anderen Teilnehmer hatten ähnlich enttäuscht reagiert und so hat sich der Veranstalter zu einer unkonventionellen Lösung entschlossen: Ich wurde vom Chef gefragt, ob ich mir das Guiden zumute, wenn ich von ihm die Tourdaten erhalten würde. Das war für mich keine Frage. Schließlich organisiere ich schon längst meine Touren mit komoot und führe meine Bike-Kollegen bereits durch jegliche Wurzeltrails und über unendliche Felsplatten. Mit komoot in der Hosentasche hatte ich ein sehr hilfreiches Planungs- und Navigationstool für den bevorstehenden Trip, vor allem die Singletrail-Bewertungen in der Karte haben super geholfen, die besten Trails für uns zu finden.

So machte ich mich voller Tatendrang am 3. September mit dem Zug auf den Weg nach Visp. In Bern lernte ich Bruno und Dani kennen, welche mit mir diese verrückte Woche bewältigen wollten.

1. Tag Visp-Ergisch, ca. 32 km/ 1380 Hm, 810 Tm

Mit dem Bike, dem Tagesrucksack und einem großen Rucksack hat uns Silvio, der für den Gepäcktransport zuständig war, in Visp sofort als Matterhornumründeler erkannt. Wir haben nicht lange gezögert, den großen Rucksack in das rote „Büssli“ gesteckt und sind losgestrampelt. Die Vorfreude auf die bevorstehende Woche war riesig! So rollten wir drei Richtung Mattertal. Wir erblickten schon bald die grandiose Kulisse mit dem markanten Bietschhorn. Bei den ersten Anstiegen galt aber die Devise „Kräfte einteilen“, denn die Woche bot noch einige knackige Anstiege. Genug Zeit auch, um sich kennenzulernen. Schließlich war es ja schon speziell, dass wir eine Woche Urlaub mit „fremden“ Menschen planten, wir merkten allerdings schnell, dass die Chemie passte. Wir rollten auf kleinen Suonenwegen Richtung Ergisch, welches den Eingang zum Turtmanntal eröffnete.

Hier erholten wir uns in einem gemütlichen B&B Haus, welches im Keller ein wahres Museum an Velos verborgen hatte. Der Hauswirt war ein pensionierter Velofahrer und hatte riesige Freude, dass wir ihn bei unserer Matterhorn-Umrundung mit einbezogen hatten.

 

2. Tag Ergisch-Grimentz, ca. 47 km/ 2430 Hm, 2080 Tm

So wie wir den gestrigen Tag auf Suonenwegen beendeten, starteten wir den nächsten Morgen und drangen immer tiefer in das Turtmanntal ein. Das Weisshorn zeigte sich hier als einer der ersten Viertausender. Entlang der Turmanna peilten wir Gruben an und ab da ging es richtig zur Sache (dachten wir). Ab dem oberen Stafel (2334 m) mussten die letzten 450 Hm mehr schiebend als fahrend zurückgelegt werden. Auf 2790 Metern Höhe überquerten wir mit dem Meidpass den ersten richtigen Gipfel unserer Tour.

Es folgte eine anspruchsvolle Abfahrt nach Alp Le Chiesson. Über einen großartigen Höhentrail gelangten wir zum Hotel Weisshorn. Die Anstrengungen wurden mit einer grandiosen Abfahrt belohnt. Unser Übernachtungsort Grimentz ist ein bekannter Skiort, welcher mich durch die Idylle schlicht verblüffte.

 

3. Tag Grimentz-Euseigne, ca. 26 km/ 1320 Hm, 1940 Tm

Mit einem Startpunkt auf 1600 Metern Höhe kann man sich vorstellen, dass es kein “Einrollen” gab. Es ging gleich zur Sache und wir fuhren einige Zeit auf der ältesten Marathonstrecke, dem Grand Raid. Auf einer gut fahrbaren Schotterstrasse erreichten wir den Pas de Lona (2787 m). Die Abfahrt zur Alp Vieille ist gespickt von Singletrails in Abwechslung mit Schotterwegen. Den Schluss machte ein einfacher Trail nach Eison. Nach dieser Erholung mussten wir die Hirnzellen und Fingermuskeln wieder auf Vordermann bringen, denn der folgende Singletrail nach Evonène hatte es in sich und schien endlos zu sein.

 

4. Tag Les Collons-Fionnay, ca. 58 km/ 1790 Hm, 2600 Tm

Erneut starteten wir unseren Tag auf beachtlichen 1800 Metern. Über die Bergstation Thyon erreichten wir das Val deNendaz. Über Haute Nendaz, welches im September eher einer Geisterstadt glich, folgten wir wieder dem unverwechselbaren Suonentrail nach Pration. Oberhalb von Verbier erreichten wir mit dem Croix de Coeur (2173 m) den höchsten Punkt des Tages. Der hängende Nebel ließ leider keinen tollen Ausblick zu und so machten wir uns schnell an einem windstillen Plätzchen für die Abfahrt bereit.

Mit warmen und trockenen Kleidern starteten wir den Downhill über Verbier hinunter nach Lourtier. Zur Abwechslung folgte ein Schlussanstieg nach Fionnay – schließlich brauchten wir noch ein paar Höhenmeter auf dem Tacho 🙂

 

5. Tag Fionnay-Aosta, ca. 59 km/ 1450 Hm, 2740 Tm

Die letzten Tage haben bei uns allen Spuren hinterlassen. So hat uns Silvio vorgeschlagen, den ersten Teil bis zur Staumauer mit dem Büssli zu fahren. Ein guter Tipp, erwies sich doch der lange Asphaltweg als recht eintönig.

Entlang des Stausee Lac de Mauvoisin fühlten wir uns wieder zuhause mit unseren Mountainbikes. Die Natur hat hier aus den Vollen geschöpft und eine atemberaubende Kulisse gezaubert. Am Ende des Sees war aber Schluss mit Gemütlichkeit und es ging richtig zur Sache. Der Aufstieg zu Fenêtre de Durand (2797 m) ist bis zur Alp Thoules sehr anspruchsvoll. Auch sind einige Tragepassagen dabei; oben angekommen ist dies allerdings schnell vergessen. Es begann eine sehr abwechslungsreiche Abfahrt Richtung Aostatal, gespickt mit vielen Singletrails und Wurzelpassagen.

Es standen noch zwei Tage auf dem Programm und mit dem letzten Tag auch der Höhepunkt unserer Fahrt. Das Wetterstudium hat uns die letzten Tage aber immer intensiver begleitet, denn für den letzten Tag war eine Schlechtwetterfront angekündigt. Nicht die beste Voraussetzung für die Überquerung des Theodulpass bei einer Höhe von 3333 Metern Höhe. Daher haben wir an diesem Tag einen neuen Plan geschmiedet und zusammen mit Christian (mountainbikereisen.ch) umgesetzt: Wir strichen die Tour durch das Aostatal (die Italiener mögen uns das verzeihen) und überbrückten den Tag mit dem Shuttle direkt nach Cervinia. Mit dieser Kürzung konnten wir die Königsetappe ohne Wetterrisiko in Angriff nehmen. Christian organisierte die Hotels und gab uns grünes Licht für den Wechsel. So hat uns Silvio in Aosta mit dem roten Büssli empfangen und zu später Stunde nach Cervinia hochgefahren.

 

6. Tag Cervinia-Visp, ca. 70 km/ 1720 Hm, 3080 Tm

Auf 2000 Metern Höhe begann unser Tag um 03:35, und bereits um 04:45 saßen wir am Bike. Vor unseren Augen erkannten wir im Sternenlicht die weltbekannten Pyramiden der Alpen. Top motiviert starteten wir bei knappen 6 Grad auf einer Schotterpiste. Während die Luft immer dünner wurde, wurden auch die Wege steiler. Wir wechselten immer wieder vom Treten in den Schiebe-Modus. Nach 1800 Höhenmetern eröffnete sich uns auf 3333 Metern Höhe am Theodulpass ein überwältigendes Panorama. Wir sind mit dem Bike mitten in den Viertausendern der Alpen! Nirgendwo im ganzen Alpenraum kann man als Biker ein Panorama eindrücklicher erleben als hier.

Vor uns das Breithorn, hinter uns das Matterhorn. Dazu überwältigte uns um 08:05 Uhr der Sonnenaufgang, welcher auch langsam etwas Wärme bringen würde. Entsprechend war eine zeitige Abfahrt angesagt. Uns war es wichtig, dass wir den Gletscher vor dem Auftauen durchfahren konnten. Sollte die Schneedecke zu weich werden, wäre sogar bei der drei Kilometer langen Abfahrt schieben angesagt und das galt es zu vermeiden. Zufrieden mit der Abfahrt und mit überwältigenden Gefühlen erreichten wir die Gondelstation Trockenen Steg.

Hier machten wir eine erste richtige Pause. Wir füllten unsere Wasserspeicher und wechselten die Kleidung. Bei den folgenden Abfahrten wird der Blick frei zu Nordend, Dufourspitze, Signalkuppe und Lyskamm! Auf einem endlosen Trail ritten wir nach Zermatt hinunter. Dort gönnten wir uns ein großes Stück Kuchen und genossen einfach den Moment, bevor wir uns zur langen Abfahrt nach Visp aufmachten. Dieser letzte Trail gab noch das Sahnehäubchen auf diese ohnehin großartigen sechs Tage. Eine wahrhafte Triumphfahrt!

Und so war es vollbracht: Einmal um einen der berühmtesten Berge der Welt gefahren, dabei fünf sehr hohe Pässe überquert und sieben Tage in der Natur verbracht – was für eine tolle und unbeschreibliche Woche.“

Mehr spannende Abenteuer von Pioneer Beat: https://www.komoot.de/user/193412189424

Die Etappen:

Visp-Eischoll

Eischoll-Grimenz https://www.komoot.de/tour/22495086

Grimenz-Euseigne https://www.komoot.de/tour/22534381

Les Collons-Loutrier https://www.komoot.de/tour/22589783

Mauvaisin – Aosta https://www.komoot.de/tour/22625617

Cervinia-Theodulpass-Visp https://www.komoot.de/tour/22653695

7 Comments

Kommentieren
  1. Lensecape sagt:

    Sehr cooler Bericht. Dieser legendäre Berg scheint nicht nur Bergsteiger in seinen Bann zu ziehen! Gewaltige Tour in atemberaubender Kulisse Gratuliere Beat, wir sind gespannt was der 60er dann bringt. LG

  2. Peter Schär sagt:

    Ja eine wunderbare Geschichte. Von einem sehr aktiven Menschen der uns immer wieder vor Augen führt, dass das Glück nicht auf dem Sofa wartet. Sondern von Ideen
    und Träumen gespiesen wird, welche mit dem Schritt vor die Haustür in die Natur zum
    unvergesslichen Abendeuer werden! Danke Beat!
    Und Danke Komoot für eure Hammer App
    Lg Bidu

  3. Bruno Rechsteiner sagt:

    Fantastischer Bericht, bekomme gleich wieder Lust so etwas zu machen, wenn möglich noch höher hinauf… Tibet…
    Ja, wir waren ein tolles Team, besten Dank für diesen Bericht.
    Nebenbei, im September werde ich das Matterhorn besteigen.
    Lg Bruno

  4. Jürg sagt:

    Wow. Coole Tour und toller Bericht welcher richtig „gluschtig“ macht. Tolle Touren und bin gespannt was es beim nächsten Mal zu berichten gibt. Weiter so

  5. silvio sagt:

    Ein schöner Bericht von einer noch viel schöneren Biketour. Emotionen kann man ja nur bedingt beschreiben…für das richtige Feeling muss man es „erfahren“. In diesem Sinne happy Trails auch im 2019.

    Greets
    S.

  6. ALS20 sagt:

    Coole Idee und schön verfasst. Motiviert mal wider selbst eine Biketour zu machen.

  7. J.S.S sagt:

    Richtig toller Bericht! Auch als Nicht-Biker juckt es einem grad vom Sofa auf und man möchte umbedingt auch mal so was aussergewöhnliches erleben!

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