Auf dem Rad einmal rund ums Land: So fühlt es sich an

Die ganze Welt haben wir schon gesehen, unsere Urlaube verbringen wir tausende Kilometer entfernt von der Heimat – und dabei kennen wir das Land in dem wir wohnen nicht einmal richtig. Das dachte sich auch Johannes, 25, aus Dresden. Kurzerhand packte der Medizinstudent diesen Sommer seine sieben Sachen (viel mehr waren es tatsächlich nicht) und fuhr vier Wochen lang mit seinem Fahrrad rund um Deutschland. Alle 2.526 Kilometer bewältigte er aus eigener Kraft. Hier erzählt er uns von den Pannen, interessanten Begegnungen und Momenten, die ihm in Erinnerung bleiben werden.

Hallo Johannes! Wie kamst du auf die Idee mit der Deutschlandtour? Was war deine Motivation sie wirklich umzusetzen?

Ich war die letzten Jahre immer mit dem MTB in den Alpen unterwegs und hatte diesen Sommer das Verlangen mal etwas neues auszuprobieren. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich zwar von Europa schon einiges gesehen hatte, aber von Deutschland vieles noch nicht, so z.B. Hamburg oder München. So kam auf die Idee, Deutschland mit dem Fahrrad zu umrunden. Und ich wusste: Das ist die neue Herausforderung!

Aber diese persönliche Herausforderung war dir nicht genug…

Ich wollte die Tour gern mit einem sinnvollen Zweck verbinden. Einfach so 2.500 Kilometer zu fahren, ohne da irgendeinen Nutzen rauszuholen, war für mich nicht erstrebenswert.

Ich kenne ein paar Leute, die bei der Heilsarmee in Guben arbeiten. Es ist ein sehr junges Team, welches sich auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Ich war mehrmals selbst vor Ort und immer wieder positiv überrascht wie wichtig deren Arbeit für die Menschen in Guben ist. Ich wusste auch, dass sie auf Spenden angewiesen sind und das Geld gut gebrauchen können. Damit hatte ich meinen Spendenzweck gefunden.

Einfahrt in den Tharandter Wald

Einfahrt in den Tharandter Wald

Landidylle vor München

Landidylle vor München

Hattest du Bedenken oder Ängste bevor du aufgebrochen bist? 

Ich hatte eigentlich wenig Bedenken. Die größten Ängste waren körperlicher Natur. Also Schmerzen oder Unfälle, die mich zur Aufgabe zwingen würden. Ich hatte aber auch Respekt vor der Strecke und war mir nicht sicher, ob ich irgendwann einen Punkt erreiche, an dem ich mental nicht mehr weiter fahren will. Davon hat sich zum Glück nichts bewahrheitet. Das einzige, was mir zu schaffen gemacht hat, war die Hitze. Schmerzen hatte ich bis auf wenige Ausnahmen keine. Darüber bin ich im Übrigen sehr dankbar.

Bike-Office

Bike-Office

Trail bei Rottweil

Trail bei Rottweil

Was hattest du an Ausrüstung dabei?

Erstaunlich wenig. Ich hatte ein 30-Liter-Rucksack mit und da war alles drin. Zwei T-Shirts für die Abende, eine kurze Hose, die Spiegelreflexkamera, Kabel und Technikkram. An Radbekleidung hatte ich ein kurzes und ein langes Trikot dabei, eine Regenjacke, dazu einen Schlauch, Kettenöl, Luftpumpe, Schloß, Lichter und ein Erste-Hilfe-Set.

Von vorigen Touren wusste ich: Wenn es irgendwie Probleme beim Fahrrad gibt, findet man zeitnah immer jemanden, der einem helfen kann – egal ob das mitten in der Stadt oder auf einem Pass in den Alpen ist. Daher nehme ich generell wenig Equipment mit und hatte damit bisher auch nie Probleme.

Wo hast du übernachtet?

Die Heilsarmee ist bundesweit organisiert, so hatte ich an vielen Etappenzielen einen Ansprechpartner für eine Übernachtungsmöglichkeit. Die habe ich dann angeschrieben, ob sie sich vorstellen könnten, mich für eine Nacht aufzunehmen. So habe ich dann entweder direkt bei denen, oder Bekannten von ihnen übernachtet. Und nebenbei richtig viele spannende Menschen kennengelernt.

Johannes neue Lieblingsregion: Der Schwarzwald

Johannes neue Lieblingsregion: Der Schwarzwald

Allee bei Karlsruhe

Allee bei Karlsruhe

Hast du auch unterwegs viele Menschen kennengelernt?

Ja, täglich. Nie vergessen werde ich einen Rentner, der mich auf seinem E-Bike nach dem Weg fragte. Ich konnte ihm ein wenig helfen und er schaltete die Batterie hinzu und fuhr fünf Kilometer mit mir mit. Er wollte einen einwöchigen spontanen Fahrradurlaub machen. Wir haben in diesen fünf Kilometern viel über seinen ehemaligen Beruf und die damit verbundenen Sorgen gesprochen. Irgendwann war es ihm zu schnell und wir haben uns wieder verabschiedet. Wir werden uns sicher nie wieder sehen. Aber die Erinnerung an diese interessante Begegnung bleibt.

Wie sah ein typischer Tag während deiner Tour aus?

Aufstehen meist gegen 7.30 Uhr. Dann ein kleines Frühstück (ich esse lieber während der Fahrt), Rucksack packen und dann Start meist um 8.30 Uhr. Irgendwann mal eine Mittagspause. Ankunft am Etappenziel gegen 16-17 Uhr. Zwischendrin immer mal kurze Pausen zum fotografieren, navigieren und essen.

 

Kurze Abkühlung - und weiter geht's

Kurze Abkühlung – und weiter geht’s

Singetrail bei Harthausen

Singetrail bei Harthausen

Allee Richtung Ahrenswohlde

Allee Richtung Ahrenswohlde

Ein Bild, das dir von der Reise noch immer gern im Kopf ist?

Die Ankunft in Hamburg über die Köhlbrandbrücke. Die Anfahrt war eine drei Kilometer lang, es ging im Kreis immer weiter nach oben. Am Ende war ich 50 Meter über der Elbe und konnte den Hafen und Hamburg von oben sehen. Der Blick und auch der Wind waren spektakulär.

Welche war die schwerste Tagesetappe?

Es gab drei richtig schwere Etappen. Die schwerste war meiner Ansicht nach die von Wiesbaden nach Bonn mit 140 Kilometern. Obwohl ich oft mehr Kilometer am Tag gefahren bin, war diese Etappe durch die ständigen Anstiege im Mittelgebirge am anstrengendsten anstrengend. Zu allem Überfluss hat es die ganze Zeit geregnet…

 

Oh nein! Die einzige Panne auf der Tour

Oh nein! Die einzige Panne auf der Tour

Allein auf dem Radweg nach Lübeck

Allein auf dem Radweg nach Lübeck

Radlerbräune

Radlerbräune

Wie hast du deine Strecke geplant? 

Ich hatte die Strecken vorher schon mit komoot geplant. Bei Regentagen oder wenn ich das Gefühl hatte nicht schnell genug voran zu kommen, habe ich dann meist nochmal umgeplant und den Straßenanteil der Tagestouren erhöht. Auch komoot hat einen wesentlichen Anteil daran, dass es so gut lief. Denn auf 2.500 Kilometern Strecke war ich selten auf dem falschen Weg. Das ist auch mit herkömmlichen Navigationsgeräten schwer möglich. Großen Respekt und Dank dafür!

Wie hast du dein Handy unterwegs mit Strom versorgt?

Für das Handy hatte ich zwei externe Akkus dabei, die ich aber nur selten komplett verbraucht habe. Pro Tag habe ich einen externen Akku verbraucht.

 

Endlich am Meer: Johannes an der Ostsee

Endlich am Meer: Johannes an der Ostsee

So sieht es also aus, dieses Norddeutschland

So sieht es also aus, dieses Norddeutschland

Wie viele Spenden hast du gesammelt? Wie genau werden deine Spenden eingesetzt?

Es sind aber mittlerweile über 1.300 Euro. Mein Ziel ist es jetzt nach dem Ende der Tour noch viel mehr Menschen mit dem Projekt anzusprechen und so noch mehr Spenden zu sammeln. Die Spenden fließen ausschließlich in die Kinder- und Jugendarbeit der Heilsarmee Guben. Ein Teil wird für die Renovierung eines Raumes verwendet, der für Jugendliche zum Entspannen gedacht ist, aber auch sozialtherapeutische Ansätze bieten soll.

Wer jetzt noch Spenden möchte, kann das über meine Website machen.

Die drei wichtigsten Dinge auf der Tour, die du nicht missen wollen würdest?

Die Freiheit zu tun, was man gerade will. Die Begegnungen mit Menschen, die man kennenlernt. Die Ankunft in Guben und in Dresden.

Landstraße auf dem Weg nach Berlin

Landstraße auf dem Weg nach Berlin

Perfekter Radweg kurz vor Guben

Perfekter Radweg kurz vor Guben

Ankunft in Guben

Johannes am Ziel

Johannes hat auch ein Tagebuch über seine Reise geschrieben. Alle seine Strecken gibt’s auf seinem Profil bei komoot.

1 Comment

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  1. Chris sagt:

    klasse bubbele. Ich fahr die Grenze erst mitm Auto ab und mach Wanderungen. Mal schaun, danach das ganze vielleicht zu Fuß oder mitm Bike ? … Respekt für deine Leistung & Mut. Der Winter kommt und da ziehe ich es doch mitm Auto vor. Nachdem ich in Neuseeland war , will ich wie du auch sagst erstmal daheim weiter machen, bevor es wieder ins Ausland geht.

    Hab gern hier deine Erfahrung gelesen.
    Bleib gesund und viele tolle Reisen und Begegnungen wünsch ich Dir.
    Chris

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