Die Tour Divide per Mountainbike: Wie man sich Ängsten stellt und mentale Blockaden überwindet

Die Tour Divide ist ein Selbstversorgungs-Mountainbike-Rennen entlang der kontinentalen Wasserscheide (Great Divide) von Banff in Kanada nach Antelope Wells an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. 2019 fuhr Josh Ibbett seine erstes Tour-Divide-Rennen und gibt uns hier ein paar Einblicke in seine Erfahrungen auf der Tour.

Ab wann hast du ernsthaft geglaubt, dass eine Fahrt über 4000 Kilometer entlang der Great Divide eine gute Idee sei?

Das hat sich über zehn Jahre hinweg entwickelt. Das erste Mal wurde ich um 2008 auf Langstreckenrennen und Bikepacking aufmerksam. Damals las ich von einem Mountainbike-Rennen, das der Länge nach durch Amerika führte. Mit der Zeit wurden meine Touren und Rennen immer länger und irgendwann nahm ich regelmäßig an Self-Supported-Langstreckenrennen teil, also Rennen, bei denen die Teilnehmer ohne fremde Hilfe auskommen müssen. Die Tour Divide war das Rennen, das mich in diese Welt hineingezogen hatte – also musst ich sie auch irgendwann fahren.

 Bei dieser Tour Divide warst du ja praktisch „Rookie”. Was waren deine größten Bedenken, bevor du losgefahren bist und wie lief es dann unterwegs?

Die größte Angst hat man ja immer vor dem Unbekannten. Ich weiß, dass ich viele Tage hintereinander fahren kann, aber als ich die Strecke anging, hat sie mich doch ordentlich eingeschüchtert. Nicht zu wissen, wohin es geht, wie hoch die Berge sein würden und wie das Wetter werden würde: Das war eigentlich das Schwierigste, mit dem ich mental fertig werden musste.

Wie würdest du deine Erfahrung in drei Worten beschreiben (eine grausame Frage, ich weiß)?

Richtig lange Fahrt.

Wenn es eine Lektion gibt, die du auf der Fahrt gelernt hast, welche ist es und wie wirst du sie auf dein zukünftiges Leben und Touren anwenden?

Wahrscheinlich ist alles nicht so schlimm, wie du denkst. Also mach einfach weiter.

Widmen wir uns jetzt deiner Ausrüstung (für die Fahrrad-Nerds da draußen). Ich habe gelesen, dass du auf einem Mason Progressive Cycles InSearchOf-Modell unterwegs warst – mit SRAM-Force-1x-Schaltung und 36er Kettenblatt sowie extra für dich angepassten Hunt X-Wide-Laufrädern mit Son-Nabendynamo. Wie hat sich das Setup bewährt – was würdest du ändern und was hast du einfach nur geliebt?

Das Rad war großartig und ziemlich gut für die Aufgabe geeignet. Ein paar Dinge würde ich ändern: Eine Art Federung am Vorderrad würde wahrscheinlich gegen die Ermüdungserscheinungen auf den raueren Strecken helfen, und ich würde ein wenig leichtere Gänge einbauen, um an steileren Anstiegen Kraft zu sparen. Abgesehen davon würde ich aber nichts ändern.

 Was waren deine besten und was deine schlimmsten Erfahrungen?

Am schlimmsten war, zu wissen, dass mich zeitweise nur mein Kopf zurückhielt, am besten war, dass ich mich an den letzten paar Tagen unglaublich stark fühlte.

Als jemand, der das, was die meisten Menschen wohl als das ultimative Bikepacking-Abenteuer nennen würden, bewältigt hat, kann man dich sicher gut um Rat fragen. Also, hast du ein paar Tipps für die unter uns, die gerade erst mit dem Bikepacking anfangen?

Geht einfach zur Tür raus und fahrt eure erste Tour. Das ist der schwierigste Teil. Sobald ihr da draußen seid, ist alles, was ihr lernen müsst, ganz einfach und niemals so schwer, wie ihr es befürchtet habt.

 Ich habe gehört, dass du als Teil deines Trainings in England The Ridgeway gefahren bist. Gibt es andere Touren, die du empfehlen kannst (entweder für ein „richtiges” Abenteuer oder für einen kleinen Nachmittagsausflug am Wochenende)?

Eigentlich liegt die Möglichkeit für ein Abenteuer überall direkt vor der Haustür. In Großbritannien, wo ich lebe, gibt es ein großartiges Netz an offiziellen Radwegen und anderen Wegen, die sich offensichtlich zum Radfahren eignen. Das ist in anderen Ländern bestimmt genauso. Ich suche mir gerne einfach einen Zielort aus, wähle „Fahrrad” als Sportart und schaue, was passiert. Meistens ergibt sich dabei eine tolle Mischung aus ruhigen Straßen, Rad- und Feldwegen.

Zum Schluss natürlich: Was macht Josh Ibbett als Nächstes? Hast du noch mehr große Biketouren in der Pipeline? Oder gibt es noch etwas anderes, das du unbedingt tun oder ausprobieren musst?

Ich befürchte, ich werde 2020, so um den zweiten Freitag im Juni herum, wieder in Banff sein. Ich bin noch nicht fertig mit der Tour Divide. Ich will sie noch einmal angehen, und dann mein ganzes Potential ausschöpfen.

Hast du noch ein Schlusswort? Etwas, was die Welt unbedingt wissen sollte, über dich, das Radfahren, Training, Abenteuer und das Leben?

Für ein Abenteuer ist immer Zeit, du musst nur rausgehen.

In diesem Sinne beenden wir jetzt dieses Interview und geben dir die Chance, dieses Wochenende dein eigenes Abenteuer zu entdecken. Du kannst Josh Ibbett hier bei komoot und bei Instagram unter @joshibbett folgen.

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Lass dich hier zu einem familienfreundlichen Bikepacking-Abenteuer in Spanien inspirieren.Und wenn du eine Transalp mit dem E-Bike versuchen möchtest, lies unsere Pioneer-Story hier.

1 Comment

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  1. jens sagt:

    was heißt „ohne fremde Hilfe“? das Essen und Trinken wird er ja nicht für 4000km dabei gehabt haben.

    worin unterscheidet sich so ein Self-Supported-Langstreckenrennen von anderen? dass man alleine unterwegs ist und kein Service Wagen etappenweise mitfährt?

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