Die acht schönsten Laufstrecken meiner Barefoot-Britain-Tour

Anna McNuff ist eine englische Abenteurerin, die gerade eineihre persönliche Herausforderung bewältigt hat: Der Länge nach durch Großbritannien laufen, und das barfuß. Unterwegs sammelte sie Spenden für ein Outdoor-Bildungswerk und entdeckte einige besonders schöne Laufstrecken, von denen sie hier berichtet.

Ponys und Papageientaucher

Von Sandwick nach Westa Voe auf Shetland

Einst das Geschenk eines norwegischen Königs an Schottland, sind die Shetlandinseln anders als alles, was du auf der britischen Hauptinsel erleben kannst. Sie sind berühmt für ihre unzähligen weißen Strände und die verfallenen Langhäuser der Wikinger –, und du kannst dort unendlich viele aufregende Orte zu Fuß entdecken.

Meine Lieblingslaufstrecke auf den Inseln ist die von Sandwick hinunter nach Westa Voe. Sobald du den Ort Bigton hinter dir gelassen hast, machst du einen Abstecher an den St Ninian’s Beach (der zu einem der schönsten Strände der Welt gewählt wurde), später hältst du an der Spiggie-Bucht Ausschau nach den Robben, die sich dort gerne auf den Felsen ausruhen und am Ende überquerst du die Landebahn des Flughafens (du läufst einfach drüber), bevor du den vom Wind umtosten Halbmond aus seidig weißem Sand, den West Voe Beach, erreichst. Wenn dir das noch nicht genug Abenteuer sind, kannst du noch eine kleine Runde um die alte nordische Siedlung Jarlshof drehen oder auf den Sumburgh Head hochlaufen und ein wenig mit den Papageientauchern abhängen.

Schlösser und Höhlen

Von Wick nach Lybster in Caithness

In Großbritannien kennen die meisten Menschen die Stadt Wick als eine der nördlichsten Städte Schottlands. Für die meisten ist sie allerdings nur eine Station auf dem Weg von Land’s End nach John o‘ Groats, der traditionellen Durchquerung der britischen Insel der Länge nach vom Südwesten in den Nordosten. Gleich außerhalb von Wick befinden sich – gefährlich nahe an den mit Blumen gesprenkelten Klippen – die Überreste von Wick Castle.

In Wick läufst du vom Stadtzentrum aus zuerst an die Küste und dort auf den neu eingerichteten „John O’ Groats Trail“-Fernwanderweg, dem du in Richtung Süden bis nach Lybster folgst. Auf dem ersten Teil der Strecke läuft es sich „auf ausgetretenen Pfaden“ sehr leicht, aber in Richtung Süden wird es immer „abenteuerlicher“. Dann kommst du an Felsnadeln und -Bögen an der Küste vorbei und an tausenden von kreischenden Seevögeln, die sich ihr Zuhause in den Nischen und Ritzen der zerklüfteten Küste von Caithness eingerichtet haben.

Die mächtigen Mountains of Mourne

Von Ardglass nach Newcastle in Nordirland

Du beginnst deinen Lauf am kleinen Fischerhafen von Ardglass, dem Ort mit dem ältesten Golfclubhaus der Welt, das aber eher wie ein verwunschenes Schloss aussieht. Den ersten Teil der Strecke, entlang dem Lecale Way, läufst du auf der Straße. Aber lass dich davon nicht abschrecken: Die Straße schlängelt sich sich immer an der Küste der Irischen See entlang und bietet dabei einen herrlichen Blick übers Wasser. Es gibt wenig Verkehr und, geht es dir wie mir, hast du auch noch die Chance auf ein kleines Schwätzchen mit einem netten irischen Farmer namens Marcus, der mit seinem Landrover mitten auf der Straße anhält und dich fragt, was zum Teufel du hier vorhast.

Du kannst die mächtigen Mourne Mountains zwar schon sehen, wenn du Ardglass verlässt, aber erst, wenn du in den Murlough Nationalpark kommst, ragen sie richtig groß über dir auf. Dann tanzt du durch Dünen, Heidekraut und Wildblumen, bevor du im Schatten der Mournes den breiten, sandigen Newcastle Beach erreichst.

Alles einsteigen: Der Speyside Express fährt ab

Von Aviemore nach Cullen Bay

Der an vielen Stellen mit Gras bewachsene „Speyside Way“-Fernwanderweg führt auf einer alten Bahntrasse grob am Fluss Spey entlang – und bringt dich dadurch auf flachen Wegen ganz einfach durch die Landschaft von Moray im Nordosten Schottlands. Das coolste am Speyside Way aber ist, dass viele der alten Bahnsteige und Bahnhöfe immer noch existieren. So kannst du tuff, tuff, tuff, wie früher die Eisenbahn, an ihnen entlangdampfen.

Viele Bahnhöfe sind wieder in ihren alten Glanz zurückversetzt worden und dienen heute als Wohnhäuser oder putzige Kaffees. Und wenn dir nach etwas stärkerem als Tee oder Kaffee ist, kannst du jederzeit einen Abstecher auf ein kleines Schlückchen in einer der vielen Whiskey-Destillerien in der Nähe machen.

Collection bei hier.

Entfessle den Drachen

Von Bangor nach Prestatyn in North Wales

Diese Laufstrecke lässt sich großartig auf dem Rad oder auf zwei Beinen zurücklegen. Sie folgt lose dem Wales Coastal Path and der National Cycle Route 5 und führt dich so immer genau zwischen dem glasklaren Wasser der Irish Sea im Norden und dem Snowdonia Nationalpark im Süden. Besonders beeindruckend ist der Abschnitt durch den ruhigen Jachthafen hinein nach Conwy. Und das Conwy Castle selbst sieht sowieso aus, als käme es direkt aus einem Märchenbuch.

Das beste an dieser Tour sind aber die Kaffeepausen – und speziell in dieser Gegend – die Welsh Cakes mit viel Butter. Entlang der Route gibt es mehr als genug Strandcafés – besonders in Colwyn Bay und in Rhyl. Mein Lieblingshalt war aber das Pavillion Café in Llanfairfechan, vor allem weil es soviel Spaß macht Llanfairfechan auszusprechen (oder es zu versuchen).

Matsch und Maschinengewehre

Von Guildford nach Dorking über den North Downs Way

Dieser freche Halbmarathon hat alle Zutaten für einen großartigen Tag auf den Trails. Jede Menge Matsch, Hügel und fantastische Aussichten und dazu noch haufenweise Geschichte auf dem Weg. Starte deinen Lauf direkt vor der Guildford Guildhall unter der angeblich meistfotografierten Uhr Großbritanniens. Lauf dann das Kopfsteinpflaster der Haupteinkaufsstraße hinunter und wirf der Statue von George Abbot (im 17. Jahrhundert Erzbischof von Canterbury) ein „Howdy do“ zu, bevor du auf den „North Downs Way“ abbiegst.

Nach dem schnellen Sprint durch den dicht bewaldeten Chantry Wood (der im Herbst umwerfend aussieht) folgt der steile Anstieg hinauf zur Church of St Martha’s Hill – mit einem fantastischen Ausblick über die herrliche Landschaft der Downs. Auf deinem Weg in Richtung Newland’s Corner solltest du eine Nicht-ganz-Halbzeit-Kaffeepause im Barn Café einlegen, bevor du entlang der North Downs Ridge weiterläufst. Hier wird es richtig interessant: Halt deine Augen auf nach kleinen runden Betonschachteln. Das sind Maschinengewehrbunker, die während des zweiten Weltkriegs auf die Bergspitzen gebaut wurden – als letzte Verteidigungslinie zwischen den ländlichen Regionen im Süden und dem Ballungsraum um London. Sie haben etwas Unheimliches an sich, diese jetzt überwucherten Betonverstecke in den Downs.

Das Biest von Exmoor

Von Minehead nach Lynmouth

Der Exmoor Nationalpark ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse Großbritanniens. Diese Tour führt vom Küstenmekka Minehead bis zur kleinen Hafenstadt Lynmouth. Auf dieser Ganztagestour folgst du dem South West Coastal path hoch und immer höher hinauf und dann wieder hinunter – an wilden Ponys vorbei, über Sümpfe hinweg und an schroffen Klippen entlang.

Dieser Lauf ist eine Aneinanderreihung von Hügeln, die deine Lunge zum Brennen bringen, und wenn am Abend die Sonne untergeht, hast du nicht nur über 30 Kilometer hinter dich gebracht, sondern, was noch viel wichtiger ist, das Abendessen an diesem Stück Paradies, namens Lynmouth, redlich verdient. 

Genau eine Straße führt in dieses abgelegene Küstenstädtchen und genau eine wieder hinaus und es fühlt sich an, als sei man durch die Rückseite des Wandschranks nach Narnia geraten. Abgeschnitten vom Rest der Welt durch steile Klippen und bewaldete Hügel: Ein Ort, an dem die Zeit stehengeblieben ist.

Bleib über Nacht und erfahr mehr über die Schmuggler, die dort in vergangenen Zeiten illegale Waren gehandelt haben und lass dir dabei den Devonshire cream tea schmecken. Und wenn du dich am Morgen zu voll fühlst, um den steilen Berg aus dem Stadt heraus zu erklimmen? Keine Sorge: Es gibt eine schnuckelige kleine Standseilbahn, die dich und deinen Sahnebauch wieder nach oben bringt.

Möchtest du noch mehr von Annas Eskapaden erfahren? Dann lies hier ihren unterhaltsamen Bericht darüber, wie sie barfuß den London Marathon gelaufen ist oder folg ihr hier bei komoot.

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